Donnerstag, 18. Juli 2002

Bereits jede 2. Ehe endet vor dem Scheidungsrichter

  • Die Hintergründe der österreichischen Beziehungskrise
  • Familienbischof Küng rät: "6 Monate Ehekurs für Paare"

Frauenflucht: Bereits jeder zweite Bund fürs Leben endet vorzeitig vor dem Scheidungsrichter. Im Vorjahr gingen exakt 20.582 Ehen in die Brüche. Was sind die Hintergründe der österreichischen Beziehungskrise? Einer: Immer mehr Ehefrauen wagen den Sprung in die Unabhängigkeit. Das "starke Geschlecht" rotiert.

Manchmal muss man für die Hoffnung auf Zukunft die Vergangenheit loslassen, auch wenn es weh tut. Eine Erkenntnis, die mittlerweile zur Gesellschaftsfähigkeit reifte: Druckfrische Zahlen der österreichischen Scheidungsstatistik markieren eine neue Rekordzahl an Trennungen – im Vorjahr gingen exakt 20.582 standes- amtlich besiegelte Lebensbündnisse in die Brüche, zwischen Boden- und Neusiedlersee scheiterte bereits beinahe jede zweite Ehe, in Wien wurden sogar fast zwei von drei Treuegelübden gelöst. Dramatisches Detail: Österreichs zwischenmenschliche Endzeitstimmung machte allein im Vorjahr 18.961 minderjährige Kinder zu Scheidungswaisen.

Wegwerfprodukt
Scheidungsanwalt Alfred Kriegler, einer der juristischen Veteranen im heimischen Rosenkrieg, hat längst resigniert: „Die Ehe ist zum Wegwerfprodukt verkommen.“

Zwischenausbaustufe der Emanzipation
Selbstfindungsdruck der Egotripgeneration, größeres Konfliktrisiko durch steigende Lebenserwartung, Wegfall zentraler juristischer Hürden - unzählige Schlagworte skizzieren das Siechtum des althergebrachten Familienfundaments. Dennoch, so sind sich Experten und Betroffene einig, haben die meisten Scheidungsgründe ein zentrales Leitmotiv: eine neue Zwischenausbaustufe der Emanzipation.

Scheidungspsychologin Doris Bach, selbst geschieden: "In der Regel ist die Frau heute wirtschaftlich zu unabhängig, um die Ehe als bloße Versorgungseinrichtung noch zu benötigen."

Konsequente Frauen
Druckfrische Zahlen aus dem Zentralcomputer der Statistik Austria belegen eindrucksvoll Österreichs feminine Ausbruchstendenz: Bereits 63 Prozent aller Scheidungsklagen werden von Frauen eingereicht. Scheidungsanwältin Andrea Wukovits: "Heute drohen Frauen nicht nur mit der Trennung, sie machen ihre Ankündigung in der Regel auch konsequent wahr."

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT.

18.7.2002 16:11