Feuerbrand breitet sich in Vorarlberg epidemieartig aus
- Rheindelta-Gemeinden sind derzeit am stärksten betroffen

Die Baumkrankheit Feuerbrand wütet heuer in Vorarlberg wie nie zuvor. Von einer Katastrophe spricht der Obst- und Gartenbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, Gebhard Bechter (Bild): "Ganze Obstwiesen werden im Herbst nicht mehr da sein."
Besonders stark betroffen sind derzeit die Rheindelta-Gemeinden Höchst, Lustenau, Fußach und Hard bis nach Dornbirn. Erstmals breitet sich die Pflanzenseuche aber auch in Gemeinden im hinteren Montafon aus. Gegen die hochansteckende Krankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylophora ausgelöst wird, gibt es derzeit außer Antibiotika (die in Österreich bei der Bekämpfung von Feuerbrand verboten sind) kein Mittel. Um eine weitere rasende Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, müssen die befallenen Bäume gefällt oder ihre infizierten Teile ausgeschnitten werden.
Das Ganze unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. "Feuerbrand ist eine hochansteckende Krankheit und breitet sich enorm schnell aus", betont der Experte. Schon allein kontaminierte Werkzeuge, Zugvögel, Insekten oder Wassertröpfchen können Neuinfektionen auslösen. Auf keinen Fall dürfen kranke Pflanzen deshalb in den Abfall, als Kompost oder Biomüll entsorgt werden. Gefährdete Pflanzen sind vor allem Apfel-, Birn- und Quittenbäume, Eberesche sowie Cotoneaster (Zwergmispel) oder Feuerdorn.
Hunderte Personen sind in den Vorarlberger Gemeinden derzeit auf der Suche nach Feuerbrand-Anzeichen. "Allein in Fußach und Lustenau gibt es jeweils 40 Kontrollorgane, die seit Wochen nichts tun als zu roden und auszuschneiden", berichtet Bechter. Dennoch kommen die Trupps kaum noch nach. In Höchst, Fußach und Gaißau unterstützen Bundesheerangehörige die Feuerbrand-Arbeiten.
Der Feuerbrand hat sich in den vergangenen Jahren in Vorarlberg massiv ausgebreitet. Zählte man vor drei Jahren 1.350 Infektionsherde, waren es 2001 bereits 17.500. "Heuer werden wir mit dieser Zahl wahrscheinlich nicht auskommen", schätzt Bechter.
Wirtschaftlicher Schaden "enorm"
Schon das vergangene Jahr war im Ländle katastrophal: Der Feuerbrand befiel rund 17.400 Pflanzen, der Großteil davon musste gerodet werden. Allein im Intensiv-Obstanbau betrug der finanzielle Schaden durch Baum- und Ernteverlust umgerechnet etwa 72.600 Euro. Auch heuer wird der Schaden enorm sein, prophezeit Bechter. "Vor allem bei den Hochstämmen geht ein wichtiges Kulturgut verloren. Der Riesenschaden liegt hier weniger im wirtschaftlichen Ausfall als im ökologischen Wert".
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