Montag, 15. Juli 2002

Chefarztpflicht für teure Medikamente könnte fallen

  • Kandlhofer: Wäre etwas ganz Tolles für die Patienten

Nächstes Jahr könnte die bestehende Chefarztpflicht für teure Medikamente fallen. Der Sprecher der Geschäftsführung im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Josef Kandlhofer, erklärte, es gebe intensive Verhandlungen. "Ich glaube, dass das etwas ganz Tolles für die Patienten wäre". Zuvor hatte in der "Presse" bereits Sozialversicherungschef Herwig Frad bekundet, dass die Chefarztpflicht nicht tabu sei.

Rund vier Millionen Medikamentenpackungen im Jahr müssen extra genehmigt werden. In Österreich sind dafür 250 Chefärzte zuständig, die auch für andere Begutachtungen, etwa aufwändige Behandlungen und Heilbehelfe, herangezogen werden. Die Ärzte befürworten das Fallen der Chefarztpflicht, befürchten aber erhöhten Spardruck ab Herbst. Denn der Hauptverband werde den Krankenkassen neue Kriterien vorschreiben, die etwa eine Obergrenze für Heilmittelausgaben beinhalten könnten.

Kritik an Sozialminister Herbert Haupt (FPÖ) gibt es von der Wiener Ärztekammer. Der Verteidigungsminister habe Abfangjäger durchgesetzt, der Infrastrukturminister Geld für Straßen. Haupt hingegen sei "außer blöd gegen Sallmutter zu polemisieren", nichts gelungen, so der Chef der Wiener Ärztekammer, Walter Dorner. Nach dem Flop der Ambulanzgebühr komme nun der nächste mit der Chipkarte.

Für Ende 2003 sei deren Einführung geplant, doch hinke die Erzeugerfirma mit Schweizer Sitz mit den Vorarbeiten nach. Frühestens Ende 2004 werde die Karte kommen. Die Ärztekammer wehrt sich ja gegen die Einhebung der Chipkartengebühr von zehn Euro, weil die Ordinationen keine Inkassobüros seien.

15.7.2002 21:51