Montag, 15. Juli 2002

Prozess gg Grazer Ex-Stadtrat Spielberger

  • 62-Jähriger soll in zwei Fällen Sekretärin belästigt haben

Der ehemalige Grazer FPÖ-Stadtrat Ferdinand Spielberger als Angeklagter: Dem 62-Jährigen wurde geschlechtliche Nötigung in zwei Fällen vorgeworfen. Er soll von seiner Sekretärin freizügige Fotos gemacht haben und sie dabei unsittlich berührt haben.

Spielberger leugnete alle Vorwürfe: "Das stimmt alles nicht". "Eine an sich harmlose Geschichte wurde aufgebauscht, um ihn als Stadtrat abzuschießen", meinte der Verteidiger des Angeklagten bei der ersten Verhandlung.

Die "Geschichte" begann, als Spielberger 1993 Stadtrat wurde und zu seiner neuen Sekretärin schon bald ein sehr gutes Verhältnis hatte. Man traf sich auch privat, und schließlich machte Spielberger Fotos von der jungen Frau, bei denen sie sich in Unterwäsche auf seinem Besprechungstisch im Büro rekelte. Von unsittlichen Berührungen wollte Spielberger allerdings nichts wissen. "Sie soll Ihnen auch einmal die Pfeife aus dem Mund geschlagen haben?", hakte der Staatsanwalt nach. "Das stimmt nicht", so Spielberger.

"Politische Intrige"
"Warum sollte sie so etwas behaupten?", fragte Richterin Karin Kohlroser. "Weiß ich nicht, ich halte sie für eine liebenswürdige und freundliche Person", meinte Spielberger. Er selbst fühlt sich als Opfer einer politischen Intrige, denn seiner Meinung nach habe die Frau ihre Aussagen auf Grund von "Einflüsterungen und politischen Druck" gemacht. Als Drahtzieherin verdächtigte er indirekt die nachmalige Tourismus-Staatssekretärin Mares Rossmann. "Aber ich kann nichts beweisen", betonte der frühere FPÖ-Politiker.

Sex-Überfall oder Hoppala?
Konkret angeklagt war ein Vorfall in der Wohnung des damaligen Stadtrats, als er die Frau zu sich bestellte, "um eine Grünpflanze ins Rathaus zu transportieren. Dabei seien die beiden "aufs Bett gefallen", wo es laut Sekretärin zu einigen Übergriffen gekommen ist. Der zweite Vorfall soll sich während eines Fotoshootings ereignet haben. Spielberger wird vorgeworfen, der Frau die Bluse geöffnet und ihre Brust geküsst haben. "Das stimmt nicht, ich habe immer gefragt, bevor ich Verbesserungen vorgenommen habe", erklärte er seine rein fototechnischen Absichten an der Dame.

1998 gab die Frau zusammen mit einer zweiten Sekretärin die Sache zu Protokoll. Bei dem Gespräch, wo der frühere FPÖ-Mandatar mit dem Protokoll konfrontiert wurde, waren neben damaligen FPÖ-Landeschef Michael Schmid auch Stadt-Parteichef Peter Weinmeister dabei. Weinmeister, der auch für die am 26. Jänner bevorstehende Gemeinderatswahl FPÖ-Spitzenkandidat ist hatte zunächst geleugnet, Näheres von der Sache gewusst zu haben. Später räumte er ein, "von den Vorwürfen aus zweiter Hand" erfahren zu haben.

15.7.2002 12:30