Fairchild Dornier vor aus
- Italienischer Konzern lehnt Einstieg ab
- Verhandlungen über Zerschlagung

Der insolvente bayrische Flugzeugbauer Fairchild Dornier steht endgültig vor dem Aus: Der italienische Luftfahrtkonzern Alenia will nicht mehr bei dem Oberpfaffenhofener Unternehmen einsteigen. Nun werden voraussichtlich die Hälfte der 3.600 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Als Sofortmaßnahme soll am (morgigen) Montag für die zuvor schon heftig von der Konkurrenz umworbenen Beschäftigten eine Jobmesse veranstaltet werden, wie Insolvenzverwalter Eberhard Braun ankündigte.
Der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu bedauerte am Wochenende die Entscheidung von Alenia. Der CSU-Politiker erklärte, er werde sich nun darum bemühen, dass EADS und Airbus Industries aus den Kapazitäten von Fairchild Dornier ein eigenes Entwicklungszentrum aufbauten. Dies mache mehr Sinn als das reine Abwerben von Wissen und Experten. "In Oberpfaffenhofen ist gerade in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklungskompetenz aufgebaut worden. Bei einer Zerlegung würde viel davon verloren gehen", betonte Wiesheu.
Auch Insolvenzverwalter Braun betonte, das Interesse an hoch qualifizierten Arbeitskräften von Fairchild Dornier sei groß. "Es kann deswegen davon ausgegangen werden, dass die Folgen der Insolvenz für die Arbeitnehmer glimpflicher verlaufen, als zunächst befürchtet", fügte er hinzu.
Für Fairchild Dornier waren am Freitag die letzten Hoffnungen auf eine Rettung geplatzt, als der Insolvenzverwalter am Abend bekannt gegeben hatte, dass Alenia eine Übernahme der Produktion des neu entwickelten 728/928-Jet-Programms ablehnt. Die Italiener hätten das Projekt, an dem rund die Hälfte des Belegschaft gearbeitet hatte, zwar als hoch interessant bezeichnet. Eine erfolgreiche Umsetzung könne Alenia ohne weiteren Partner aber nicht stemmen.
Vor der Absage war bekannt geworden, dass die Lufthansa als letzter Großkunde einen Auftrag für 60 Flugzeuge des Typs 728 storniert hatte. Die Fluggesellschaft galt als mit Abstand wichtigster Kunde für das Programm. Die kostenintensive Neuentwicklung der in der Branche als hochmodern gelobten 728/928-Serie hatte wesentlich zur Krise des Unternehmens beigetragen.
1.836 Mitarbeiter von Fairchild-Dornier wurden Anfang Juli in ein Qualifizierungsprogramm ausgegliedert, und hätten zum Großteil nach einem positiven Ausgang der Verhandlungen mit Alenia wieder in das Unternehmen zurückkehren sollen. Zuvor hatten bereits Boeing, der kanadische Bombardier-Konzern und EADS einen Einstieg in das Unternehmen abgelehnt.
Braun erklärte zwar, es gebe noch letzte Gespräche mit der amerikanischen Alliance Aircraft, deren Präsident Earl Robinson zuvor bei Fairchild Dornier Chefentwickler des 328 Jets war. Allerdings gilt es in der Branche als sehr unwahrscheinlich, dass die Amerikaner das erforderliche Kapital zu einer Markteinführung des 728-Jets aufbringen könnten. Dabei war von über einer Milliarde Euro die Rede.
Braun kündigte eine Zerschlagung des Unternehmens an. Für die Übernahme der Produktion des seit 1998 gefertigten 328 Jets würden derzeit Verhandlungen mit der US-Risikokapitalgesellschaft Dimeling Schreiber & Park geführt, sagte Braun. Auch für die Übernahme der Fertigung für Airbus-Komponenten, die Fairchild Dornier als Zulieferer betreibt, gebe es mehrere Interessenten. Der Erhalt von mindestens 1.500 der früher 3.600 Arbeitsplätze bei Fairchild Dornier gilt als gesichert.

