Freitag, 12. Juli 2002

FORMAT: Verdienen, wenn die Kurse fallen

  • Mit Put-Optionsscheinen in der Baisse profitieren

Wenn an den Börsen die Kurse fallen, greifen manche Anleger zur Champagnerflasche. Mit ausgefeilten Strategien und den richtigen Papieren können erfahrene Investoren blendend an der Baisse verdienen.

Für die Aktionäre der Deutschen Telekom erfordert der Blick in den Kurszettel schon gehörige Nervenstärke. Allein in den vergangenen sechs Monaten mußten sie vierzig Prozent Verlust verkraften. Andere wiederum können ihr Glück kaum fassen: Sie haben ebenfalls auf den Telekomriesen gesetzt und in derselben Zeit ansehnliche 300 Prozent verdient.

Börsianerlatein? Schutzgelderpressung? Fieser Trick? Keineswegs. Die Glücklichen legten sich nicht die Aktie selbst ins Depot, sondern einen sogenannten Put-Optionsschein auf den rosa Riesen. Optionsscheine sowie die an speziellen Terminbörsen wie der heimischen ÖTOB gehandelten Optionen zählen zu den riskantesten, aber – vorausgesetzt, der Investor liegt richtig – auch lukrativsten Anlageformen.

Der Käufer einer Put-Option erwirbt das Recht, eine Aktie zu einem vorher festgesetzten Preis (Ausübungspreis) innerhalb einer bestimmten Frist zu verkaufen. Fällt die Aktie während dieses Zeitraums, so steigt der Kurs der Option, weil das Recht, den vorab vereinbarten höheren Preis zu lukrieren, immer mehr wert wird. Steigt umgekehrt der Kurs der Aktie über den festgesetzten Preis an, ist die Option zu Ende der Laufzeit wertlos. Der Grund: Die Inanspruchnahme des Verkaufsrechts brächte dann weniger Geld ein als ein direkter Verkauf der Aktie an der Börse (siehe Kasten und Grafik unten links).

Wenig verwunderlich also, daß gerade in der Baisse immer mehr Investoren dem Charme dieser Papiere erliegen: "Put-Optionen waren heuer wegen des langen Abwärtstrends sehr gefragt", resümiert Heike Arbter, die bei der Raiffeisen-Centrobank (RCB) den Handel mit ausländischen Options- scheinen leitet. Allein die RCB handelt über tausend unterschiedliche Papiere. Die große Zahl ergibt sich aus den unterschiedlichen angebotenen Laufzeiten und Ausübungspreisen. Denn Optionsscheine, die auf ein und dieselbe Aktie setzen, verfügen nicht über dasselbe Er- tragspotential. Je näher der vereinbarte Verkaufspreis dem aktuellen Kurs des Papiers ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, durch starke Kursschwankungen schnell in die Gewinnzone zu kommen.

Freilich steigt auch das Risiko, sein Geld loszuwerden. Heike Arbter sieht daher zwei wesentliche Voraussetzungen, die Anleger, die sich auf dieses glatte Parkett wagen, erfüllen müssen. „Wer Optionsscheine kauft, der sollte eine klare Überzeugung haben, in welche Richtung sich die Börse bewegt, sowie ausreichend Zeit, um die schnell schwankenden Kurse verfolgen zu können."

Die komplette Story und Infos über die besten Optionsscheine finden Sie im neuen FORMAT.

12.7.2002 14:00