Freitag, 12. Juli 2002

Babcock-Pleite: Österreichtöchter gehen in Konkurs

  • Austrian Energy & NEM Energy insolvent
  • An Auffanggesellschaft wird gebastelt

Die Insolvenz der Austrian Energy (AE), Tochter der in die Pleite geschlitterten deutschen Babcock, ist nicht mehr abzuwenden: Der Maschinen- und Anlagenbauer mit rund 300 Beschäftigten in Wien (Siemensstraße) und in Graz und das Tochterunternehmen NEM Energietechnik GmbH mit rund 70 Beschäftigten werden voraussichtlich am Montag beim Landesgericht Graz den Konkurs anmelden, war am Freitag aus informierten Kreisen zu erfahren.

Heute Vormittag werden die Mitarbeiter über die Situation des Unternehmens informiert. Das Frühwarnsystem wurde zur Stunde noch nicht eingeschaltet. Die AE beschäftigt insgesamt 900 Mitarbeiter, davon rund 250 im Tochterwerk Kroatien.

Hinter den Kulissen wird bereits an einer Auffanglösung gebastelt. Das operative Geschäft soll über einen Pachtvertrag an die zur AE-Gruppe gehörende, aber nicht insolvenzverfangene AE Industrieservice GmbH (rund 200 Mitarbeiter) übernommen werden. Als mögliche Retter wurden zuletzt auch die Andritz und Siemens genannt. Auch der steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl hatte im "WirtschaftsBlatt" von einer "steirischen Lösung" ohne finanzielle Hilfe des Landes gesprochen.

Die AE geht aus den beiden heimischen Traditionsfirmen SGP und Waagner-Biro hervor. 1995 wurde die Waagner Biro von der bereits aufgelösten Industrieholding des Industriellen Herbert Liaunig gekauft, der damit auch den Hälfteanteil an der AE erwarb. Noch im selben Jahr gab Liaunig diesen 50-Prozent-Anteil an die VA Technologie ab. Im Februar 1999 wurde die AE im Rahmen eines Joint Ventures in die Babcock Borsig integriert.

Mittlerweile hat in Deutschland mit der Krantz AG eine weitere Babcock-Tochter Insolvenz angemeldet. Damit sind zusammen mit der Muttergesellschaft bereits 36 des rund 300 Firmen umfassenden Maschinen- und Anlagebaukonzerns zahlungsunfähig.

12.7.2002 12:57