SAP erstmals seit dem Börsengang mit Verlust
- Wegen Sonderabschreibungen im zweiten Quartal
- Aktie fiel auf ein Jahrestief

Der deutsche Softwarekonzern SAP hat wegen Sonderabschreibungen im zweiten Quartal zum ersten Mal seit seinem Börsengang Verluste geschrieben und seine Umsatzerwartungen für 2002 nach unten korrigiert. Die Aktie fiel daraufhin um 14 Prozent auf ein Jahrestief.
SAP habe auf seine Minderheitsbeteiligungen 414 Millionen Euro abgeschrieben, davon allein 318 Millionen Euro auf das US-Internetunternehmen Commerce One, teilte Europas größter Softwarekonzern am Donnerstag mit. Dadurch sei in den drei Monaten von April bis Juni ein Verlust von 235 Millionen Euro nach Steuern entstanden.
Das operative Ergebnis von SAP blieb mit 326 Millionen Euro nur leicht hinter den Erwartungen von Analysten zurück, obwohl der Konzernumsatz unerwartet sank. Für das gesamte Jahr glaubt SAP nur noch an ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent. Bisher hatte der Konzern 15 Prozent in Aussicht gestellt. "Der Vorstand hat festgestellt, dass die bisherige Umsatzprognose nicht aufrechterhalten werden kann", teilte SAP überraschend mit, eine Woche vor dem vorgesehenen Veröffentlichungstermin für die Quartalszahlen. Im zweiten Quartal ging der Umsatz um rund vier Prozent auf 1,778 Milliarden Euro zurück, Analysten hatten einen Zuwachs von vier Prozent erwartet. Auch der als lukrativ geltende Softwareumsatz blieb mit 496 Millionen Euro nicht nur 23 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück, sondern auch hinter den Expertenschätzungen, die bei 553 Millionen Euro lagen.
Gleichwohl hält der Konzern an seinem Ziel fest, die operative Marge - ohne Kosten für Aktienoptionsprogramme und Aufwendungen für Zukäufe - auf mindestens 21 von 20 Prozent im vergangenen Jahr zu steigern. Das operative Ergebnis wird damit wegen der niedrigeren Umsatzerwartungen aber niedriger ausfallen als bisher gedacht. In den vergangenen drei Monaten fiel der operative Gewinn zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 326 Millionen Euro, Analysten hatten mit rund 335 Millionen Euro gerechnet.
Vor der Kursaussetzung notierten die SAP-Aktien als einer von wenigen Titeln im DAX 1,4 Prozent im Plus bei 88,22 Euro. Danach fiel sie um 14 Prozent auf 74,80 Euro. Börsianer hatten vor der Umsatzwarnung erklärt, SAP könne sich gegen den Trend in der Softwarebranche offenbar behaupten. Ein SAP-Sprecher sagte, nach Steuern habe SAP seit seinem Börsengang im Jahr 1988 noch nie rote Zahlen geschrieben. Ein operativer Verlust im ersten Quartal 2000 war damals durch ein positives Finanzergebnis wett gemacht worden.
Die Hoffnungen auf eine rasches Ende der Flaute bei seinen Beteiligungen, vor allem in den USA, hat SAP offenbar aufgeben müssen. Die Wertminderung seiner 20-Prozent-Beteiligung an dem Internetsoftware-Unternehmen Commerce One gelte angesichts der schwachen Börsen und der schlechten Wirtschaftslage als dauerhaft. Nach den seit Januar geltenden Neuerungen bei der Rechnungslegung US-GAAP müssen die Anteilswerte daher abgeschrieben werden. In der SAP-Bilanz stehe Commerce One jetzt nur noch mit 22 Millionen Euro. Noch Ende April hatte SAP erklärt, man sehe keinen weiteren Bedarf, die Wertansätze nach unten zu korrigieren. Das US-Unternehmen bleibe aber eine strategische Beteiligung, hieß es jetzt. Commerce One soll nach dem Willen des Konzerns 2003 in die Gewinnzone zurück kehren.

