Donnerstag, 11. Juli 2002

Libro: Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet

  • EX-Vorstand und Ex-Aufsichtsratschef im Visier

Die Causa-Libor beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft: Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger hat eine Sachverhaltsdarstellung zum Niedergang der Buch- und Papierhandelskette Libro übermittelt. Eingebracht wurde eine Anzeige wegen möglicher Rechtsverletzungen, die "Untreue, Betrug und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen" betreffen, teilte der Chef des Interessenverbands für Anleger (IVA) am Donnerstag mit.

Die Hauptvorwürfe, so Rasinger, richteten sich gegen den Börsegang, die ungerechtfertigte Aufwertung von Beteiligungen, um eine Sonderdividende von 440 Mill. S (32 Mill. Euro) an die Altaktionäre ausschütten zu können, und gegen den mit 275 Mill. S zu teuren Kauf des Landesverlags (Amadeus). Weitere Punkte betreffen laut Rasinger das Unterlassen von ergebniswirksamen Anpassungen/Wertberichtigungen in den Jahresabschlüssen für 1998/1999, 1999/2000 und 2000/2001 (jeweils per Ende Februar) sowie das Verschweigen von Informationen, die für die Bestimmung des Emissionskurses wesentlich seien.

Die Sachverhaltsdarstellung des IVA bezieht sich auf den früheren Libro-Vorstandsvorsitzenden Andre Rettberg, Ex-Finanzvorstand Johann Knöbl, Ex-Aufsichtsratschef Kurt Stiassny, auf die Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann und Michael Vertneg, die als Pflichtprüfer der Auditor Treuhand für Libro bestellt waren, sowie auf die KPMG-Wirtschaftsprüfer Gottwald Kranebitter und Regina Reiter. Laut Rasinger waren Kranebitter und Reiter für die Verfassung und Prüfung des Börsenzulassungsprospekts der Libro AG mitverantwortlich.

11.7.2002 15:41