Donnerstag, 11. Juli 2002

Post startet Briefzentrum Ost

  • Post baute seit Jahresbeginn 980 Mitarbeiter ab
  • Größtes Briefzentrum Europas seit dieser Woche im Testbetrieb

Bei der Österreichischen Post AG haben sich die Beschwerden über Verzögerungen bei der Briefzustellung in den vergangenen Wochen wieder gemehrt. Zustellzeiten innerhalb Wiens von zwei Wochen sind laut Konsumentenberichten derzeit keine Seltenheit. Grund dafür sind Umstellungsschwierigkeiten bei der Inbetriebnahme des neuen Briefzentrums Ost. Nach Überwindung der Startschwierigkeiten soll die "Schnecken-Post" aber entgültig der Vergangenheit angehören.

Das neue Briefzentrum, in dem im Vollbetrieb täglich 7 Millionen Sendungen (51 Prozent des gesamten österreichischen Briefaufkommens) bearbeitet werden sollen, hat diese Woche mit einem Testbetrieb gestartet.

"Wir haben derzeit massive Qualitätsprobleme", sagte Post-Generaldirektor Anton Wais am Donnerstag vor Journalisten. Die momentanen Zustellzeiten seien aber "nicht repräsentativ". Im Gegenteil: Mit der vollen Inbetriebnahme des neuen Briefzentrums in den Endmonaten dieses Jahres solle die Qualität deutlich verbessert werden. Die Vorgaben des Verkehrsministeriums, wonach bis 2004 95 Prozent aller Briefsendungen binnen einem Tag nach Aufgabe zugestellt werden müssen, soll damit erfüllt werden.

Das Verkehrsministerium hat angekündigt, die Auflagen von einer unabhängigen Stelle auf Kosten der Post 2004 genau kontrollieren zu lassen. "Die Zeit der Ausreden sind dann vorbei. Wenn die Post die Auflagen nicht erfüllt, wird es strenge Maßnahmen geben", hieß es aus dem Ministerium zur APA.

Das neue Briefverteilzentrum Ost, in das die Post rund 110 Mill. Euro investiert hat, ist das größte seiner Art in Europa. "Selbst Amsterdam und Frankfurt sind kleiner", betont Wais. Insgesamt werden in dem neuen Zentrum 1.200 Mitarbeiter arbeiten an Förderbändern von 5,5 Kilometer länge. Ein Großteil Briefsortierung, der bisher noch komplett händisch erfolgt, wird im neuen Briefzentrum automatisch funktionieren.

Post baute seit Jahresbeginn 980 Mitarbeiter ab
Die Post will dadurch in Wien 400 bis 500 Mitarbeiter abbauen. Insgesamt hat die Post seit Jahresbeginn bereits 980 Vollzeitarbeitskräfte abgebaut. Insgesamt soll die Zahl heuer um 1.050 reduziert werden. Im nächsten Jahr soll der Personalabbau wieder geringer ausfallen. An der Zielsetzung - gemessen am Stand von 1999 - 6.000 Vollzeitarbeitsplätze zu streichen, hält Wais aber fest. Die Hälfte des Plans habe man bereits erfüllt. Eine konkrete Zielgröße für den Personalstand nach erfolgter Restrukturierung nannte er aber nicht.

Abgebaut wird derzeit über die natürliche Fluktuation, dank auslaufender befristeter Dienstverträge und mittels Dienstvereinbarungen. Vor allem die Dienstvereinbarungen, die derzeit einen Golden Handshake und eine Umschulung für betroffene Mitarbeiter vorsieht, sollen künftig noch weiter ausgedehnt werden. Verhandlungen mit der Belegschaftsvertretung sind im September angesetzt.

Gespräche mit dem Betriebsrat soll es auch über Vorwürfe geben, dass entgegen dem Trend des Abbaus von Mitarbeitern die Zahl der Führungskräfte auf Grund der neuen Spartenorganisation, die seit Anfang des Monats umgesetzt wird, um 150 erhöht hätte. Tatsächlich habe man lediglich 25 neue Führungskräfte bestellt. Der Unterschied habe sich aus "einer kleinen babylonischen Sprachverwirrung" über die Definition des Begriffs Overhead ergeben, so Wais.

11.7.2002 14:57