Mittwoch, 10. Juli 2002

KirchMedia: US-Milliardär Saban plant neues Angebot

  • Angeblich Gespräche um Kerngeschäfte des insolventen Unternehmens
  • Plus: Chronologie der Pleite & Kirch-Struktogramm, .......

Der US-Milliardär Haim Saban plant nach Angaben aus Kreisen ein neues Angebot für die Kerngeschäfte des insolventen deutschen Medienkonzerns KirchMedia. Sechs Wochen nach dem Scheitern seines Versuchs, Deutschlands größten TV-Sender ProSiebenSat.1 und die umfangreiche Filmbibliothek der KirchMedia zu übernehmen, wolle Saban wieder Gespräche mit der Münchener Mediengruppe aufnehmen, hieß es am Freitagabend.

Saban werde dabei von mehreren Finanzinvestoren unterstützt, darunter die Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman und Thomas H. Lee. Eine Sprecherin von Saban wollte die Angaben nicht kommentieren. Bei KirchMedia war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nach einem Bieterwettstreit um die Reste des Medienimperiums von Unternehmer Leo Kirch, der mehr als ein Jahr dauerte, waren Anfang Juni die Verhandlungen mit dem letzten verbliebenen Bieter Haim Saban gescheitert.

Ob Saban nach dem Scheitern der turbulenten Verhandlungen mit KirchMedia und den Gläubigerbanken tatsächlich noch eine Chance bekommt, ist unklar. KirchMedia-Insolvenzverwalter Michael Jaffe und Vertreter der Banken hatten betont, erst in ein bis zwei Jahren erneut nach Investoren für KirchMedia suchen zu wollen. Saban müsse "das Geld schon cash auf den Tisch legen", wenn es nochmal Gespräche geben sollte, hatte es in Bankenkreisen geheißen.

Derzeit gilt der so genannte "Plan B", den die Banken und KirchMedia entwickelten, als die Verhandlungen mit Saban immer zäher wurden. Nun soll die Senderfamilie, die unter einem Einbruch der Werbeeinnahmen leidet und im ersten Quartal Verluste geschrieben hat, durch eine Kapitalerhöhung rund 300 Millionen Euro frisches Geld erhalten. Die Hälfte der Summe finanziert KirchMedia, die Mehrheitsaktionär bei dem TV-Konzern bleibt, den Rest übernehmen die Gläubigerbanken HVB Group, DZ Bank, Commerzbank und BayernLB, wenn es nicht genug Interesse der Anleger an den neuen Aktien gibt. (APA/Red.)

10.7.2002 13:59