Bertelsmann-Chef Middelhoff geht - zur Telekom?
- Grund: Auffassungsunterschiede über künftige Strategie

·Harter Kurs
Deutsche Telekom geht auf Sparkurs
·Helmut Sihler
Schon im Visier der Ermittler
·Das Ranking
Die größten Telekom-Firmen
Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff (Bild) hat am Sonntag überraschend das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger an der Spitze des Medienriesen wurde der bisherige Vorstand Gunter Thielen. Grund für die Trennung seien unterschiedliche Auffassungen zwischen Middelhoff und dem Aufsichtsrat über die künftige Strategie der Bertelsmann AG sowie über die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, teilte Bertelsmann mit. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung hat Middelhoff kein Angebot zur Übernahme des Vorstandsvorsitzes bei der Deutschen Telekom. Es soll aber ein Angebot aus den USA vorliegen. Danach will ihn Steve Case zum Medienkonzern AOL/Time Warner holen.
Nach Informationen aus Branchenkreisen war vor allem der geplante Börsengang von Bertelsmann umstritten. Offiziell hieß es, es werde keine weiteren Erklärungen geben. Nach einem Informationen des "Berliner Kurier" soll Middelhoff neuer Chef der Deutschen Telekom werden. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte dazu: "An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht."
Der 49-jährige Middelhoff war seit November 1998 Vorstandschef bei Bertelsmann. Er trieb konsequent den Ausbau des Familienunternehmens zu einem internationalen Medienriesen voran. In seine Zeit fielen die Übernahme der Mehrheit bei der RTL Group, die Übernahme des Verlags Random House sowie eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Online-Dienst America Online (AOL). Eines seiner zentralen Projekte war der Gang an die Börse.
Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hatte einen Börsengang lange Zeit ausgeschlossen, im vergangenen Jahr jedoch nach Überzeugungsarbeit Middelhoffs seinen Widerstand aufgegeben. Im Februar 2001 übernahm Bertelsmann in einem Tauschgeschäft die Mehrheit an der RTL Group von der belgisch-kanadischen Holding GBL. Diese erhielt im Gegenzug einen Anteil von 25,1 Prozent an Bertelsmann und das Recht, ihn in aus heutiger Sicht zwei bis drei Jahren an die Börse zu bringen.
Thielen (59) hatte seit vergangenem Oktober bereits mehrere Schlüsselposten bei Bertelsmann inne. Er war zusätzlich zu seinem Vorstandsmandat Vorsitzender des Kuratoriums und des Präsidiums der Bertelsmann-Stiftung, sowie Vorsitzender der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), die in der Hauptversammlung 75 Prozent der Stimmrechte ausübt. Auf diesen Posten war er Mohn gefolgt.
Bertelsmann zählt zu den vier größten Medienunternehmen der Welt. Zum Konzern gehören gehören neben RTL und Random House der Verlag Gruner + Jahr sowie die Musiksparte BMG. Im vergangenen Jahr wurde ein Rekordergebnis von 4,16 Milliarden Euro erwirtschaftet, dass 2002 übertroffen werden soll. Der Umsatz liegt bei rund 20 Milliarden Euro.

