Dienstag, 9. Juli 2002

Österreichs Unternehmen trotzen der Konjunkturflaute

  • Verunsicherung über Zukunft
  • Ein Drittel erwägt Mitarbeiterabbau

Österreichs Unternehmen scheint es - noch - gut zu gehen. Trotz Konjunkturflaute beurteilen zwei Drittel der Firmen ihre Lage positiv. Das hat eine Erhebung des Instituts für Grundlagenforschung (IGF) ergeben, die Ende Mai im Auftrag der Unternehmensberatung SHS bei 295 Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handel mit mehr als 80 Mitarbeitern durchgeführt wurde. Je größer der Betrieb, desto positiver die Einschätzung, so Studienleiterin Ernestine Depner-Berger am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Aus dieser Diskrepanz zwischen der generellen Konjunkturlage und der individuellen Situation der Unternehmen schließt das IGF, dass sich die Betriebe unter schwierigen Bedingungenen gut behaupten. Für die Zukunft sei jedoch eine Verunsicherung festzustellen: 41 Prozent rechnen mit einer mittelmäßigen und 14 Prozent mit einer schlechten bis sehr schlechten Entwicklung. Den größten Optimismus hat laut Ergebnissen dabei noch der Einzelhandel, wo die Hälfte der Unternehmen die Branche mit sehr gut und gut beurteilte.

Maßgebender Parameter für die negative Einschätzung der Marktsituation sei die allgemeine Konjunkturentwicklung und die damit einher gehende schwache Kaufkraft und sinkende Nachfrage. Fast alle Unternehmer glauben, dass der "Wind noch schärfer werden wird" und auf sie größere Anforderungen zukommen. Der Verdrängungswettbewerb werde stärker werden, der Kostendruck weiter steigen. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll weiter sinken - ein Drittel der Firmen zieht eine Reduktion des Personalstandes in Erwägung. "Das sind Signale, die von einem engen Markt kommen", so Depner-Berger: "Der interne Druck wird weiter steigen".

Die Unternehmen sind sich laut Studie bewusst, das Handelungsbedarf gegeben sei. Spontannennungen zufolge soll dabei vor allem eine Verbesserung der Produktivität helfen, dem zunehmenden Druck zu begegnen. Die Professionalisierung soll durch Mitarbeiterentwicklung vorangetrieben werden und die Kosten-Ertrag-Rendite optimiert werden. Auf Kundenservice oder Innovationen setzen hingegen nur etwas mehr als zehn Prozent.

Der Geschäftsführer der SHS Unternehmensberatung, Florian Schatz, hält diesen Zeitpunkt "ideal für Maßnahmen zur Absicherung". Abzuwarten und Investitionen zu verschieben sei dagegen nicht richtig und führe zu einer Verlangsamung der Aufwärtsentwicklung bzw. zu einem Verharren im "negativen Tal". In den meisten Firmen schlummere noch zusätzliches Erfolgspotenzial von mehr als 20 Prozent, so Schatz.

9.7.2002 13:37