Ist der Euro doch kein Teuro?
- VKI stellt Zahlen aus BEUC-Studie für Österreich klar
- PLUS: Ihre Meinung: Sind Sie mit dem Euro zufrieden?
·Teuro-Vorwürfe
AK Vorarlberg: € als Sündenbock
·Ihre Meinung:
Sind Sie zufrieden mit der Währung?
·Ihre Meinung
Wollen Sie den Schilling zurück?
·Wirtschaft/Ö
Regierung sagt: "Euro kein Teuro"
·Preisgefühl
Rechnen Sie noch in Schilling um?
·AK-Preischeck
Supermärkte und Drogerien teurer
·Kauflust sinkt
Handel klagt über Umsatzeinbruch
Dass der Euro - trotz aller Beteuerungen - doch ein "Teuro" ist, soll eine brandaktuelle EU-Studie der Konsumentenschützer (BEUC) in Brüssel belegen. Doch die vielzitierte Studie mit der Statistik über dramatische Preisanstiege durch den Euro soll es gar nicht geben. Das Papier soll lediglich eine Zusammenstellung von Berichten aus den EU-Ländern sein. Am Mittwoch erklärte der Verein für Konsumenteninformation (VKI), dass die BEUC-Zahlen zu Missinterpretationen geführt haben und stellte klar, dass es sich bei jenem Datenmaterial nicht um eine Preisentwicklungs-Statistik, sondern um eine Beschwerde-Bilanz zu Teuerungen in verschiedenen Konsumbereichen handelt.
Die von BEUC (Europäischer Dachverband der Konsumenten) über Österreich veröffentlichten Daten im Zusammenhang mit der Währungs-Umstellung haben zu Missinterpretationen geführt. Der VKI stellt klar, dass es sich bei jenem Datenmaterial, das konkret auf einzelne Handels- und Berufssparten Bezug nimmt, nicht um eine Preisentwicklungs-Statistik handelt, sondern um eine Beschwerde-Bilanz zu Teuerungen in verschiedenen Konsumbereichen. Seit Mai 2001 erfasst und prüft der VKI alle eingehenden Beschwerden von Konsumenten zur Währungsumstellung und zum Euro. Im April 2002 wurden diese Beschwerden statistisch ausgewertet und BEUC für eine europaweite Vergleichs-Studie zur Verfügung gestellt.
Im BEUC-Bericht über Österreich wurden nicht näher bezeichnete sinkende und steigende Prozentsätze für verschiedene Branchen angegeben, die von Medien irrtümlich als Preissenkungen bzw -steigerungen innerhalb eines Jahres interpretiert und veröffentlicht wurden. Bei diesen Prozentsätzen handelt es sich jedoch um Ab - oder Zunahme von Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Euro-Umstellung beim VKI eingegangen sind.
Laut Max Reuter, Leiter der Abteilung für Finanzdienstleistungen im VKI und Verantwortlicher der VKI-Erhebung, ändert das aber nichts an der Tatsache, dass einige Branchen aufgrund von Preiserhöhungen besonders häufig zu Beschwerden führten. Das sind, wie korrekt berichtet wurde, vor allem die Gastronomie, die Automaten-Branche und zum Teil der Einzelhandel. In 70 Prozent der Beschwerdefälle waren Preissteigerungen von mehr als 10 Prozent die Ursache des Konsumenten-Ärgers. Schwerpunkt dabei war die großzügige Preisanpassung auf runde Euro-Beträge, wie im BEUC-Bericht in der Zusammenfassung vermerkt.
Österreich als schwarzes Schaf
Österreich wird in dem Bericht extra erwähnt. Als "schwarzes Schaf", das die Preise besonders dreist aufgerundet hat. Allein der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) meldete zwischen Mai 2001 und Mai 2002 insgesamt 702 Beschwerden. Es ging um Preisaufschläge im Gastgewerbe (Restaurants, Cafes) sowie für Parkgebühren, Lotteriespiele und Automaten. Mehr als die Hälfte der Preiserhöhungen erfolgte unmittelbar nach der Einführung der neuen Währung im Jänner und Februar. Das ist das Ergebnis von groß angelegten Preisvergleichen der Europäischen Konsumentenschutz-Organisation BEUC in allen Ländern der Euro-Zone.
Die Euro-Sünder
Ähnliche Klagen kamen auch aus anderen Euro-Ländern: Demnach fanden sich die "Sünder", die offenbar die Euro-Umstellung für Preisanhebungen im Gastgewerbe nutzten, auch in Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden und Spanien. Bei Parkgebühren und im Gesundheitssektor mussten Iren, Franzosen und Italiener tiefer in die Tasche greifen. In Spanien verteuerten sich vor allem Drogerieartikel und Zeitungen. In Frankreich waren es die Supermärkte, die mit Preiserhöhungen hervorstachen. In Griechenland kam es in den Tourismusregionen zu den stärksten Aufschlägen.
Für die Zukunft befürchtet der Beuc noch größere Enttäuschungen: Statt die Gebühren für Überweisungen im Inland und ins Ausland anzugleichen, nutzten einige Banken - bespielsweise in Deutschland - die Gelegenheit, um die inländischen Gebühren anzuheben.

