Montag, 8. Juli 2002

Fleisch: Riesige Preisunterschiede in Supermärkten

  • AK-Untersuchung: Bio-Fleisch nur selten im Angebot
  • Hygieneerhebung brachte erschreckende Ergebnisse!

Die Preisunterschiede bei Fleisch und Wurst in Supermärkten und Fleischereien sind enorm: Laut Erhebung der Arbeiterkammer NÖ liegt die durchschnittliche Preisdifferenz bei mehr als 100, einmal sogar bei 288 Prozent! Fleischereien seien dabei nicht unbedingt teurer als Supermärkte. Erschreckend sind die Zustände in Sachen Hygiene.

Biofleisch ist nach wie vor Mangelware, sagt der Leiter der AKNÖ-Konsumentenberatung, Günther La Garde. Der Preis dafür liegt jedoch nicht immer über jenem für konventionell erzeugtes Fleisch.

Preisunterschied von 288%
Die Preiserhebung der AKNÖ wurde in den vergangenen Wochen in 149 Supermärkten und 104 Fleischereien in Niederösterreich durchgeführt. Der absolute "Ausreißer" ist laut Untersuchung der Preis für ein Kilo Schopfbraten geschnitten, der zwischen 3,63 Euro (49,95 S) und 14,10 Euro (194 S) lag. "Das ist eine Differenz von 288 Prozent", so La Garde, für den "diese gewaltigen Preisdifferenzen nicht nachvollziehbar" sind.

Ein Kilo Schweinskotelett koste zum Beispiel zwischen 4,35 und 14,10 Euro, was einem Preisunterschied von 223,87 Prozent entspreche. Für ein Kilo Bauchfleisch geschnitten muss man laut AKNÖ zwischen 2,76 und 7,92 Euro bezahlen (186,84 Prozent Preisdifferenz). "Bescheidene" 115,36 Prozent betrage der Preisunterschied bei einem Kilo Rindsgulaschfleisch - die Preise lagen zwischen 4,35 und 9,37 Euro.

Hygiene liegt im Argen
Ein "erschreckendes Ergebnis" habe die Untersuchung nach Hygienemaßnahmen bei den Fleischereien und Feinkostabteilungen der Supermärkte gebracht: Nur in 29 der 101 Fleischereien verwendeten die Mitarbeiter Einweghandschuhe. Im Lebensmittelhandel waren es 62 von 124 Supermärkten. Vielfach bediene das Servicepersonal auch gleich die Kasse und hantiere mit Geldscheinen und Münzen, kritisierte La Garde. Die AKNÖ-Konsumentenschützer fordern daher, dass das Tragen von Einweghandschuhen verbindlich werde.

Konsumenten wollen mehr Beratung
Nach den vergangenen "Fleischkrisen" lege der Konsument immer mehr Wert auf Beratung. "Was aber viele Konsumenten zudem beim Fleischer schätzen, ist die Tatsache, dass er weiß, woher er sein Fleisch bezieht und den Bauern vielleicht sogar persönlich kennt", so La Garde. Dennoch könnten viele Fleischer im Preis mit den Supermärkten mithalten.

Biofleisch muss nicht teurer sein
Auch Biofleisch müsse nicht unbedingt teurer sein. Allerdings würden nur 12 von den 104 untersuchten Fleischereien und 28 von den 149 Supermärkten deklariertes Biofleisch anbieten.

Undurchsichtige Preispolitik
Obwohl sich Konsum und Nachfrage nach Fleisch nun wieder stabilisiert haben, sei Schweine- und Rindfleisch noch immer teuer, so La Garde. Es sei zwar erfreulich, dass die Preise für Schweinefleisch um bis zu 10 Prozent gesunken seien. Im Zuge von BSE und Schweinemastskandal seien Verbraucherpreise aber empfindlich in die Höhe geschnellt. Daher sei nicht erklärbar, warum die Preise für Rindfleisch erneut um bis zu 4 Prozent gestiegen seien.

8.7.2002 12:45