Montag, 8. Juli 2002

Bush bereitet Rede über Finanzskandale vor

  • Die Ansprache ist am Dienstag geplant - an der Wall Street

US-Präsident Bush plant in dieser Woche eine Grundsatzrede zu den Bilanzskandalen. Schon in der Vorwoche hat er seine Enttäuschung über die "Unmoral" in der Weltwirtschaft geäußert. In seiner neuen Rede will er zu "verantwortungs-bewussterer Unternehmensführung" aufrufen.

Erst Enron, dann Word.Com, dann Xerox. Kurz darauf Disney, Vivendi und Reed Elsevier. Die Reihe der Unternehmen, die in den vergangenen Tagen und Wochen mit der Aufdeckung ihrer Bilanz-Fälschungen zu kämpfen haben, ist lang. Und für Anleger erschreckend. Schließlich gehen die Aktien der Schuldigen oder Beschuldigten regelmäßig baden.

Die Serie der Unternehmensskandale hat US-Präsident George W. Bush zu einem bemerkenswerten Kurswandel veranlasst. Bisher galt seine Regierung als treuer Verbündeter von "Corporate America". Doch in diesen Tagen lässt der Präsident kaum eine Gelegenheit aus, um gegen schwindelnde Unternehmensbosse zu Felde zu ziehen. Am Dienstag will er dazu sogar eine Rede an der New Yorker Wall Street halten. Hinter dem Wandel des Präsidenten steckt die Sorge, dass die Skandal-Serie von Enron über Andersen bis WorldCom seine weiterhin hohen Zustimmungsraten schrumpfen lassen und seiner Republikanischen Partei bei den Kongresswahlen im November schaden könnte.

So dreht sich die Debatte inzwischen auch darum, wie es der Präsident und sein Team früher selbst mit der Moral im Geschäftsleben gehalten haben. Bush muss sich kritische Fragen nach einem Aktiengeschäft gefallen lassen, das er vor zwölf Jahren als Manager des Ölunternehmens Harken Energy abgewickelt hatte. Zwei Monate nachdem Bush Harken-Aktien im Wert von 848.560 Dollar abgestoßen hatte, deklarierte das Unternehmen Verluste von 23 Millionen Dollar, was einen Sturz der Aktie aulöste. Von der Börsenaufsicht SEC wurde Bush allerdings 1991 von dem Verdacht eines Insider-Geschäft freigesprochen.

8.7.2002 10:26