Montag, 8. Juli 2002

Babcock-Insolvenz eröffnet

  • Hohe Forderungsausfälle wahrscheinlich
  • Unternehmen will bis zum Jahresende 1.100 Jobs abbauen

Knapp zwei Monate nach Bekanntgabe der Zahlungsunfähigkeit hat das Duisburger Amtsgericht für die Babcock Borsig AG und 19 ihrer Tochtergesellschaften ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Helmut Schmitz sei zum Sachwalter in dem Verfahren bestimmt worden, sagte ein Babcock-Sprecher am Sonntag in Oberhausen.

Nach der Methode der Insolvenz in Eigenverwaltung dürfe der Vorstand fortan die meisten Geschäfte selbstständig erledigen. Nur für Entscheidungen, die nicht zum ordentlichen Geschäft zählen, benötige er die Zustimmung des Sachwalters. Für den 19. November und den 16. Dezember setzte das Amtsgericht Gläubigerversammlungen an.

Schmitz interpretierte die vom Gericht gewählte Methode des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung in einer Pressemitteilung als "besonderes Signal für den Gläubigerschutz". Er bekräftigte das Ziel, diese "Chance für den Neuanfang" zu nutzen und möglichst viele der Arbeitsplätze im Babcock-Borsig-Konzern zu retten. Vorstandschef Horst Piepenburg erklärte, durch die gewählte Methode erhöhe sich die Chance auf eine Fortführung des Geschäfts erheblich.

Unterdessen sagte Schmitz in einem Interview in der am Montag erscheinenden Zeitung "Die Welt", es bestünden für die Babcock-Aktionäre wegen der hohen Gesamtverbindlichkeiten keine Aussicht auf eine Auszahlung eines sich möglicherweise ergebenden restlichen Eigenkapitalguthabens. Auch die Gläubiger von Babcock müssten mit hohen Forderungsausfällen rechnen. Es werde mit einer mit "Vorsicht zu genießenden Quote von fünf Prozent" gerechnet, hieß es weiter.

Die Gläubiger der betroffenen Gesellschaften haben den weiteren Angaben der Babcock-Presserklärung zufolge bis zum 4. November Gelegenheit, ihre Forderungen beim Sachwalter Schmitz anzumelden. Der bislang vorläufig bestellte Gläubigerausschuss, der die Interessen der Gläubiger vertritt, wurde vom Gericht bestätigt. "Besonders bedeutsame Rechtshandlungen" bedürften dem Gerichtsbeschluss zufolge auch dessen Zustimmung.

Babcock Borsig hatte Anfang Juli Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Schritt war unvermeidlich geworden, weil ein Sanierungsversuch am Widerstand der Banken gescheitert war. Inzwischen haben nach Unternehmensangaben 61 Babcock-Unternehmen Insolvenzanträge gestellt, für die verschiedene Gerichte in Deutschland insgesamt 18 vorläufige Insolvenzverwalter bestellt haben.

Babcock will bis Jahresende 1.100 Stellen abbauen
Die Beschäftigten der Babcock Borsig AG, Oberhausen, müssen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit den ersten Kündigungen rechnen. Bis zum Jahresende sollten 1.100 Stellen wegfallen, davon 680 in Oberhausen, sagte Hannelore Elze, Vertreterin der IG-Metall im Aufsichtsrat dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Dies sehe ein Vorschlag des Vorstandes vor. 900 Beschäftigte sollen nach ihren Worten bereits jetzt freigestellt werden, da sie nicht mehr benötigt werden. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich nicht zu den Zahlen äußern. Die Gespräche mit dem Betriebsrat seien noch nicht abgeschlossen, sagte er.

8.7.2002 09:46