Mörder von US-Reporter Pearl zum Tode verurteilt
- Pakistanische Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft
- Verurteilter droht: "Wir werden sehen, wer zuerst stirbt"
Nach seiner Verurteilung zum Tode hat Pearl-Mörder Ahmed Omar Sayed Sheikh den pakistanischen Machthabern offen gedroht: "Wir werden sehen, wer zuerst stirbt: Ich oder die Verantwortlichen, die diese Todesstrafe für mich arrangierten." Drei pakistanische Komplizen erhielten Gefängnisstrafen von jeweils 25 Jahren, nach Angaben der AFP wurden die Mitangeklagten sogar zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sollen den Reporter des "Wall Street Journal" am 23. Jänner entführt und im Februar ermordet haben. Die Verteidigung kritisierte das Urteil als ungerecht und kündigte den Gang vor das Berufungsgericht an.
Der Moslem-Extremist nannte ausdrücklich den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, der nach dem 11. September sein Land in die von den USA geführte Allianz gegen den internationalen Terrorismus geführt hatte: "Musharraf sollte wissen, dass er Ziel der Rache des allmächtigen Gottes werden kann. Jetzt geht der Jihad (heilige Krieg) zwischen Islam und den Nicht-Moslims weiter und jeder zeigt, ob er auf der Seite des Islams oder der Ungläubigen steht."
In Hyderabad, wo der Richter in einem hermetisch abgeriegelten Hochsicherheitsgefängnis das Strafmaß bekannt gab, in der größten Stadt Karachi sowie an allen wichtigen Einrichtungen und Orten landesweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt, wie das Innenministerium mitteilte.
Sayed soll Verbindungen zu den gewalttätigsten Extremistenorganisationen in Pakistan haben. Nach seiner Festnahme sagte er in einer Gerichtsanhörung am 14. Februar, er habe bei der Entführung des US-Journalisten eine Rolle gespielt. Er widerrief diese Aussage später wieder und erklärte wie die Mitangeklagten Salma Saqib, Fahad Naseem und Sheikh Adil, nichts mit dem Fall zu tun zu haben. Ein Bruder von Sheikh Adil, Sheikh Aslam, sagte zu der Strafmaß-Entscheidung: "Die Regierung wird die Entscheidung auf Geheiß der Vereinigten Staaten verhängen. Alle Regierungsentscheidungen werden auf Anordnung der Vereinigten Staaten verhängt."
Zusätzliche Geldstrafe für die vier Angeklagten
Hauptankläger Raja Qureshi zufolge wurden die vier Angeklagten ferner zu Geldstrafen von jeweils rund 8.300 Dollar (8.438 Euro) verurteilt. Das Geld sei an Pearls Ehefrau zu zahlen. Der Staatsanwalt zeigte sich mit dem Urteil für den Hauptangeklagten zufrieden. Im Falle der drei Mitangeklagten werde die Anklage möglicherweise Berufung einlegen. Dafür hat er 15 Tage Zeit, während die Verurteilten innerhalb von sieben Tagen gegen das Urteil berufen können. Er strebe eine schärfere Strafe an, werde aber die Anweisungen der pakistanischen Behörden abwarten, sagte Qureshi dem Fernsehen.
Verteidiger kündigt Berufung an
Verteidiger Rai Bashir hatte vor dem Urteil erklärt, die Staatsanwaltschaft habe keine substanziellen Beweise für die Schuld der Angeklagten vorgelegt. Er erwarte einen Freispruch, "es sei denn, die pakistanische und die amerikanische Regierung nehmen Einfluss auf das Urteil."
Sicherheitskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft
Vor der Urteilsverkündung waren die Sicherheitskräfte in Hyderabad aus Furcht vor Anschlägen in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Scharfschützen hatten auf den Dächern rings um das Gericht im Gefängnis der südpakistanischen Stadt Stellung bezogen. Schwer bewaffnete Polizeisten und gepanzerte Fahrzeuge sicherten das Gebäude. Am Samstag hatten pakistanische Zeitungen ein in Urdu verfasstes E-Mail erhalten, in der weitere Angriffe auf Ausländer angedroht wurden. Sie soll von Asif Ramzi, einem von sieben noch gesuchten Verdächtigen im Pearl-Fall, verfasst worden sein. Der Pearl-Prozess hatte in moslemisch-extremistischen Kreisen Pakistans ausländerfeindliche Ressentiments verstärkt.
Der 38-jährige Pearl war am 23. Jänner auf dem Weg zu einem Interview mit einem Moslemführer in Karachi entführt und Wochen später von seinen Kidnappern ermordet worden. Im Februar hatten die Entführer ein Video von der Enthauptung des Reporters des "Wall Street Journal" an das US-Konsulat in Pakistan gesandt. Im Mai wurde in der Nähe einer Hütte in Karachi eine Leiche gefunden, bei der es sich nach Vermutung der Polizei um jene Pearls handelt. Die endgültige Bestätigung durch DNA-Tests steht noch aus.
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