Experte: "Mit Terrorismus werden wir leben müssen"
- Physiker Steinhäusler rechnet weiter mit neuen Anschlägen
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"Mit Super-Terrorismus werden wir leben müssen", sagte der österreichische Physiker und Anti-Terrorismusexperte Friedrich Steinhäusler am Freitag. "Es wird nie mehr wie am 10. September sein." Ein Zurück in Hinblick auf Sicherheitsmaßnahmen gebe es nicht. Denn wenn es den Ländern "zu teuer" würde oder man auf die Bedrohung "vergesse", sei die Gefahr von neuen Anschlägen am größten.
Terroristen hätten einen anderen Zeitplan. "Es geht nicht um das Morgen, es geht um lange nach dem Morgen", sagte Steinhäusler. Zwischen dem ersten und dem zweiten Anschlag auf das World Trade Center seien acht Jahre vergangen. Mit einem Anschlag in der Größenordnung eines 11.September ist in der nächsten Zeit nach Einschätzung Steinhäuslers nicht zu rechnen. Die Täter hätten die Sekundäreffekte erreicht, die sie beabsichtigten - eine Verminderung der Lebensqualität und hohe Kosten. "Warum sollten sie jetzt angreifen?"
Die Frage, ob man sich vor Terrorismus fürchten sollte, beantwortete Steinhäusler mit einem klaren "Ja". "Diese Furcht ist aber nicht kurzfristig angelegt". Sicherheit werde auch in Zukunft ihren Preis haben. Dazu gehörten auch Eingriffe in die Privatsphäre und in die bürgerlichen Freiheiten. Ein Restrisiko bleibe in jedem Fall. "Ein Null-Risiko gibt es nicht." Es gehe um "Risikominimierung", nicht um "Risikoeliminierung".
Drei Ebenen für Schutz vor Terror
Ein wirksamer Schutz gegen Terrorismus lässt sich nach Ansicht von Steinhäusler nur auf drei Ebenen erzielen. Einerseits müsse man international enger zusammenarbeiten, denn es sei allein auf Grund des Zeitverlustes gefährlich, in mehreren Ländern parallel zu forschen. Auch neue technologische Entwicklungen seien vonnöten, um Terroristen wirksam begegnen zu können. Drittens sei es wesentlich, geheimdienstliche Informationen auszutauschen.
Die Frage, ob die Gefahr bestünde, durch eine Fokussierung auf die El Kaida vielleicht andere Terrorismusgefahren zu übersehen, bejahte Steinhäusler. Auch von anderen Seiten drohe Gefahr, zum Beispiel seitens der extremen Rechten in den USA. Steinhäusler rechnet derzeit nicht mit einem Anschlag der El Kaida. Die Organisation arbeite auf einen anderen Zeithorizont hin. In Bezug auf den Irak sagte der Experte, die Gefährlichkeit liege im Unwissen, da man ohne Inspektoren nicht genau wisse, über welche Waffen der Irak verfüge.
Keine Verhandlungen mit "neuen Terroristen"
Der so genannte "Neue Terrorismus", den es seit dem Anschlag in Oklahoma City 1995 gebe, unterscheide sich grundsätzlich von früheren Formen des Terrorismus. Typisch sei eine "hemmungslose Bereitschaft, ohne Grenze zu töten" ebenso wie das Ablehnen von Verhandlungen. Außerdem würden die Terroristen keine Verantwortung für ihre Taten übernehmen und die Bereitschaft zeigen, Waffen für "Massentötung, Massenpanik und Massenvernichtung" einzusetzen.
Steinhäusler ist der wissenschaftliche Leiter eines Expertenworkshops zum Thema "Der Internationale Terrorismus - Bedrohungspotential und Gegenmaßnahmen", der von 11. bis 13. Juli im Stift Göttweig bei Krems stattfindet.
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