Freitag, 12. Juli 2002

Perejil-Krise nun auch offiziell beigelegt

  • Spanier nicht sauer auf bremsende Franzosen
  • Plus: So sieht Perejil aus - alle Bilder & Infos!

Spanien und Marokko haben die Einigung im Streit um die Mittelmeerinsel Perejil bestätigt. Die Außenminister beider Länder, Ana Palacio und Mohamed Benaissa, bestätigten bei ihrem Treffen am Montag in Rabat die Vereinbarung. Die Chefdiplomaten einigten sich auf ein Folge-Treffen im September in Madrid, um die bilateralen Beziehungen "zu stärken".

Spanien und Marokko hatten sich am Samstagabend unter Vermittlung der USA auf den Verzicht einer Stationierung von Soldaten auf der Insel Perejil ("Petersil") geeinigt.

Wie die spanische Tageszeitung "El Mundo" berichtet, dauerte das Treffen von Benaissa und Palacio mit vier Stunden länger als geplant. Die spanische Delegation habe die marokkanische Hauptstadt nur wenige Minuten nach dessen Ende verlassen. Vor dem Gespräch hatte der spansiche Vizepremier Mariano Rajoy klargestellt, dass es in Rabat entgegen anderslautenden Angaben von marokkanischer Seite lediglich um die Frage von Perejil gehen werde. Weitere Streitpunkte in den bilateralen Beziehungen sind der Status der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sowie das Festhalten Madrids an einem Unabhängigkeitsreferendum in der von Marokko besetzten Westsahara.

Marokko, das die Westsahara besetzt hält, verübelt der ehemaligen Kolonialmacht Spanien das Festhalten am Prinzip eines Selbstbestimmungs-Referendums. Madrid hat die jüngsten US-amerikanischen Pläne für eine Autonomie der Westsahara innerhalb Marokkos erfolgreich durchkreuzt.

Die Beziehungen zwischen Spanien und Marokko hatten sich verschlechtert, nachdem Marokko im Oktober seinen Botschafter aus Madrid abgezogen hatte. Der Streit um die unbewohnte Felseninsel Perejil war eskaliert, nachdem marokkanische Soldaten am 11. Juli dort gelandet waren. Spanien stürmte daraufhin das Eiland nur wenige hundert Meter vor der marokkanischen Küste und schickte Kriegsschiffe in die Region.

Der Kompromiss zur Petersilien-Insel sieht vor, dass weder die Spanier noch die Marokkaner das Eiland erneut militärisch besetzen. Spanien hatte seine Soldaten am Samstag abgezogen. Somit wird der seit 42 Jahren geltende Status wiederhergestellt, wonach die Insel de facto Niemandsland ist. Die Insel gehört seit 1668 zu Spanien,

Franzosen stoppten EU
In Brüssel versicherte der spanische Staatssekretär Ramon de Miguel, dass das Verhalten Frankreichs während der Krise keine negativen Auswirkungen auf die europäische "Gemeinschaftssolidarität" haben werde. Die Franzosen hatten nach der spanischen Militärintervention auf der Insel ihr Veto gegen eine Erklärung der dänischen Ratspräsidentschaft eingelegt, in der die Union ihre uneingeschränkte Unterstützung für Madrid bekunden sollte.

Ein Sprecher von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nannte die Beilegung des Konflikts "eine hervorragende Nachricht für beide Länder und für Europa". Die EU könne nun ihre Beziehungen mit Marokko als einem "befreundeten und benachbarten" Land "festigen und vorantreiben". Die marokkanische Presse forderte Verhandlungen über Ceuta und Melilla. Wenn Spanien die Souveränität über Gibraltar fordere, sei es folgerichtig, das Marokko Sebta (marokkanischer Name Ceutas) und Melilla sowie die gesamte besetzte nordafrikanische Zone für sich beanspruche.

12.7.2002 11:15