Heimischer Bio-Skandal: 650 t Weizen als Bio deklariert
- Öffentlichkeit im Nitrofen-Skandal falsch informiert

Der bisher größte österreichischen Bioskandal könnte unmittelbar bevorstehen. In seinen Ausmaßen er könnte selbst den Weinskandal in den Schatten stellen. 650 Tonnen konventionellen Getreide und mehrere Tonnen Rindfleisch seien fälschlich als Bio-Produkte deklariert worden. Zudem wäre die Öffentlichkeit im Nitrofen-Skandal bewusst falsch informiert worden.
Dies berichtet die Wiener Stadtzeitung "Der Falter" in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe. Josef Ortner, der ehemalige Chef des "Ernte"-Verbandes, in dem 13.000 Biobauern organisiert sind, spricht im Falter von "Betrügereien" im Spitzenmanagement der Bio-Vertriebsschiene "Ökoland". Diese beliefere die Billa-Marke "Ja! Natürlich" und den Spar Öko-Anbieter "Natur Pur". Spitzenmanager der Österreichischen Bioszene sollen dabei nicht nur Konsumenten, sondern vor allem auch Tausende Biobauern betrogen haben.
"Ökoland" deklariert 650 Tonnen Getreide als Biokorn
Konkret geht es um drei Vorwürfe: Im Herbst des vergangenen Jahres soll die Firma "Ökoland" Biobauern 650 Tonnen herkömmlichen Getreides als "Bioware" angeboten haben. Die "Austria Bio Garantie" (ABG), eine private Kontrollfirma mit hoheitlichen Kontrollbefugnissen, habe die Machenschaften noch rechtzeitig aufgedeckt. "Wenn die Bauern das Futter im guten Glauben als reines Biofutter verfüttert hätten, hätten sie massive Probleme bekommen", so Hans Matzenberger, Chef der ABG. Die Rinder wären dann keine Biorinder mehr gewesen.
Der zweite Vorwurf betrifft den Geschäftsführer der Firma "Ökoland", Hans B. Dieser sei auch Geschäftsführer eines eigenen Schlachthofes gewesen und hätte daher mit sich selbst Geschäfte abschließen können. B., der mittlerweile entlassen wurde, soll laut "Falter" rund 2.300 Kilo konventionelles Rindfleisch über Mittelsfirmen als Biofleisch an "Ökoland" verkauft haben. Bio-Aufdecker Ortner im vertraulichen Bericht: "B. missbrauchte eine Mittelsfirma, um an Ökoland zu stark überhöhten Preisen Rinderhälften zu verkaufen".
Doch Weizenimporte aus Deutschland
Abschließend wirft Ortner "Ökoland" vor, während des deutschen Nitrofen-Skandals die Öffentlichkeit falsch über Weizenimporte aus Deutschland informiert zu haben, die entgegen allen Beteuerungen doch erfolgt seien. Beim Ernte Verband gesteht man Fehler ein: "Es ist traurig, dass so etwas passieren konnte. Das beste System ist vor Betrügereien nicht sicher. Dass es vereinzelt schwarze Schafe gibt, lässt sich nicht verhindern".
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