Sonntag, 7. Juli 2002

Enron-Aufsichtsrat wusste von Bilanzfälschungen

  • Bericht des US-Senats gibt Gremium Mitschuld an Firmenpleite

Der Aufsichtsrat des bankrotten US-Energieriesen Enron hat nach einem Bericht des US-Senats Kenntnis von den ruinösen Bilanzfälschungen des Unternehmensvorstandes gehabt. Der Aufsichtsrat sei über zahlreiche Unregelmäßigkeiten informiert gewesen, hieß es in einem am Sonntag in der "New York Times" veröffentlichten Bericht des US-Senats.

Seine Kenntnisse hätten "riskante Buchführungspraktiken" und Transaktionen voller Interessenkonflikte ebenso betroffen wie Bilanzfälschungen und "exzessive Bereicherung der Topmanager".

Der Bericht widersprach damit vor allem dem ehemaligen Enron-Chef Ken Lay, einem früheren Freund von US-Präsident George W. Bush. Lay hatte stets beteuert, nichts über die Machenschaften der Manager gewusst zu haben. Auch die Frau des republikanischen Senators Phil Gramm, Wendy, könnte als Vorsitzende des Enron-Aufsichtsrates nun in Schwierigkeiten geraten.

Die Enron-Pleite war die größte Firmenpleite der US-Geschichte. Enron-Manager stehen im Verdacht, im Vorfeld der Pleite Bilanzen manipuliert und sich selbst bereichert zu haben. Enron hatte Bush in seinem Präsidentschaftswahlkampf mit großzügigen Spenden unterstützt. Zugleich flossen aber Firmengelder an die heute oppositionellen Demokraten.

7.7.2002 18:12