E.ON gelingt mit Ruhrgas-Übernahme ein Coup
- Kosten von rund zehn Milliarden Euro

Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke am Freitag die umstrittene Ministererlaubnis für die Fusion von E.ON/Ruhrgas bekannt gegeben. Mit der Ruhrgas-Übernahme ist dem Energiekonzern E.ON ein Coup gelungen, der zuvor fast undenkbar erschien. Bis dahin hatte ein in der deutschen Unternehmenslandschaft wohl einzigartiges Beziehungsgeflecht von Beteiligungsgesellschaften, Poolverträgen und Sonderabsprachen im Ruhrgas-Aktionärskreis jeden Kaufinteressenten schnell das Fürchten gelehrt.
"Hut ab" heißt es daher anerkennend in der Branche, nachdem am Freitag mit der Ministererlaubnis der Weg zur Übernahme des ertragsstarken Essener Gasimporteurs endgültig frei gemacht wurde. Allerdings wird auch angemerkt, dass E.ON die Erlaubnis von Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke zuvor recht teuer erkauft hat. Die mit der Erlaubnis verbundenen Auflagen dürften Insidern zufolge in der nächsten Zeit einige Bewegung in den Gasmarkt bringen.
Die Übernahme von 100 Prozent der Ruhrgas kostet E.ON rund zehn Milliarden Euro. Ein Preis, der unter Finanzmarkt-Analysten als einigermaßen angemessen bezeichnet wird. Teuer komme E.ON der politische Preis, den das Unternehmen gezahlt habe, heißt es bei den Wettbewerbern. Verwiesen wird dabei auf den angekündigten Verkauf der Stinnes-Beteiligung an die Deutsche Bahn. Dafür hätte E.ON mehr Geld bekommen können als die vereinbarten 1,6 Milliarden Euro.
Politische Fakten habe E.ON auch mit dem angekündigten Tausch seiner Degussa-Beteiligung gegen das Ruhrgas-Paket der früheren Ruhrkohle (RAG) geschaffen. Damit sei für das politische Sorgenkind RAG eine solide Zukunftsbasis gefunden worden, die bei nicht erteilter Ministererlaubnis hinfällig geworden wäre, hieß es. Auf die beiden genannten Lösungen hätte die deutsche Regierung sicher ungern verzichtet, wird argumentiert.
Die deutsche Konkurrenz von E.ON und Ruhrgas sieht deren Fusion, die sie im Vorfeld heftig attackiert hatte, nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge. "Jetzt kommt einiges in Bewegung", sagte ein Vertreter eines kleineren Gasunternehmens. Vor allem um die ostdeutsche VNG sei ein Tauziehen zu erwarten. E.ON und Ruhrgas müssen sich als eine mit der Ministererlaubnis verbundene Auflage aus diesem Versorger zurückziehen. Dadurch werden rund 43 Prozent der Anteile frei. Einige ostdeutsche Stadtwerke haben am Freitag schon angekündigt, ihren Anteil an VNG aufstocken zu wollen. Interesse wird auch der neuen so genannten dritten Kraft auf dem deutschen Energiemarkt, der Vattenfall Europe, nachgesagt.
Der ebenfalls als Auflage geforderte Rückzug E.ONs aus dem Versorger Gelsenwasser dürfte RWE interessieren. Den Essenern, die sich anders als E.ON stärker im Wassergeschäft engagiert haben, wird seit langem nachgesagt, ein Auge auf Gelsenwasser geworfen zu haben. Offiziell hieß es bei RWE am Freitag dazu bloß, man prüfe selbstverständlich alle sich bietenden Gelegenheiten.
Die Verpflichtung zu einer Trennung von Netzbetrieb und Erdgashandel als weitere Auflage der Fusionsgenehmigung dürfte vor allem neue Anbieter im liberalisierten deutschen Gasmarkt freuen. So lasse sich der diskriminierungsfreie Zugang neuer Wettbewerber besser kontrollieren, heißt es beispielsweise bei der Deutschen BP. BP steht in den Startlöchern für den Aufbau eines eigenen Gasgeschäfts in Deutschland. Erst Mitte der Woche hatte E.ON angekündigt, deren Ruhrgas-Anteile zu kaufen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zugang ganz frei sein wird ist größer, wenn es eine Auflage ist", sagte BP-Sprecher Ulrich Winkler. Bisher ist der Netzzugang nur in der so genannten Verbändevereinbarung Gas II fest geschrieben.
Schließlich sei die Verpflichtung der Ruhrgas, in den nächsten drei Jahren große Mengen importierten Gases zu den eigenen Vertragsbedingungen an den Wettbewerb abzugeben, gut für alle in der Branche, heißt es. Denn Ruhrgas habe mit seinen Lieferanten dank seiner großen Abnahmemengen die besten Preise vereinbart.
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