Freitag, 5. Juli 2002

FORMAT: Niederösterreichs Milliarden "unter Wasser"

  • 10-Jahres-Strategie beschert bisher nur Verluste
  • Opposition will bei weiteren Verlusten Anlage abstoßen

Österreichs größtes Bundesland Niederösterreich verkaufte im Dezember seine Forderungen aus Wohnbau-Darlehen zum Barwert von satten 2,572 Milliarden Euro an den US-Finanzriesen Citibank. Und legte das Geld in Fonds und Aktien an. Derzeit schreiben die Niederösterreicher mit dieser Strategie herbe Verluste.

Der plausible Hintergrund für den Deal: Anstatt das von 10.000en Häuselbauern in Raten zurückgezahlte Kapital brach herumliegen zu lassen, sollte es durch geschickte Veranlagung auf dem internationalen Finanzparkett lukrative Zinsgewinne hereinbringen. Vorgabe: Die 2,5 Milliarden Euro sollen Zinseinnahmen von rund sechs Prozent pro Jahr einspielen. Das wären 145 Millionen Euro in jedem der kommenden zehn Jahre.

Drückende Zwischenbilanz nach sechs Monaten: Per Anfang Juni hatte das im Verhältnis 60:40 auf Fonds und Aktien verteilte Kapital ein Minus von 48 Millionen Euro produziert. Was noch schwerer wiegt: In diesem Ergebnis sind die weiter rasant abgestürzten Kurse an den Börsen noch gar nicht enthalten.

ÖVP-Finanzlandesrat Sobotka rät zur Ruhe: "Ich bin nicht nervös. Wir sind zwar im Minus, doch die Anlagestrategie muss langfristig gesehen werden. Das Geld ist für zehn Jahre veranlagt. Die Gewinne werden kommen."

Die Grünen im Landtag stellen allerdings schon laut die Frage, "ob Veranlagungen undSpekulationen mit öffentlichen Mitteln auf dem Aktien- und Fondsmarkt einen ersten Schritt in Richtung Casino-Kapitalismus darstellen." Die SPÖ überlegt, ob das Land bei anhaltenden Verlusten nicht schon im Herbst (!!) aus dem Veranlagungsprogramm aussteigen soll.

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5.7.2002 14:48