Donnerstag, 4. Juli 2002

Libro-Pleite: Wird immer nur den "Großen" geholfen?

  • Kleinbetriebe ärgern sich über Kredite für Libro
  • "Unverständliche" Unterstützung verzerrt Wettbewerb

Immer wieder präsentiert sich das gleiche Bild: Ein "Großer" schlittert ins Defizit, und jeder wirft ihm Geld hinterher. Ein "Kleiner" strauchelt, und er wird sofort auseinander genommen. So jedenfalls stellt sich die Situation aus Sicht der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe dar - zum Beispiel jetzt wieder bei der Unterstützung für die angeschlagene Medienhandelskette Libro.

So rührt sich etwa jetzt, nur kurz nach den Proteststimmen aus dem Buchhandel, im österreichischen Tonträgerhandel Widerstand gegen die zusätzlichen Kredite. Die Banken haben diese Woche nämlich für die Weiterführung von Libro 11,5 Millionen Euro locker gemacht.

Unterstützung "unverständlich"
Es sei für ihn "unverständlich", dass Libro weiterhin Riesensummen zur Verfügung gestellt bekomme, während die Klein- und Mittelbetriebe schon bei Kleinkrediten genau geprüft werden und Sicherheiten gewähren müssen", so Wolfgang Krejcik, Vorsteher des Bundesgremium des Radio- und Elektrohandels. Der Wettbewerb sei dadurch "extrem gefährdet".

Ungleichbehandlung
Die Kleinbetriebe würden nicht nur "ungleich behandelt", sondern müssten über den Insolvenzfonds auch noch für den Libro-Konkurs mit bezahlen, kritisiert Krejcik. Die Libro-Expansion in den vergangenen zehn Jahren habe zahlreichen Kleinbetrieben die Existenz gekostet. "Wenn in einer kleinen Stadt eine Filiale aufgemacht worden ist, hat bald danach ein Händler zugesperrt", sagte Krejcik. Nun flössen sogar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens "Riesensummen" zur Finanzierung von Libro.

Nach Schätzungen aus der Wirtschaftskammer verfügt Libro im CD-Markt über einen Marktanteil von rund 30 Prozent. Nur mehr 10 bis 12 Prozent entfielen auf die bundesweit 50 bis 70 selbstständigen Tonträger-Händler.

4.7.2002 13:04