Dienstag, 2. Juli 2002

Europas Börsen schließen mit massiven Verlusten

  • Schwache US-Märkte ziehen Indizes weiter nach unten
  • Medienwerte und Tech-Titel als größte Verlierer

Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben am Dienstag mit kräftigen Kursverlusten auf breiter Front geschlossen. Die größten Abschläge mussten die Börsen in Paris (minus 4,15 Prozent), Amsterdam (minus 4,13 Prozent) und Frankfurt (minus 3,99 Prozent*) verzeichnen.

Getrübt wurde das Bild schon im frühen Geschäft durch die sehr schwachen US-Vorgaben sowie von Gerüchten, dass Vivendi die Bilanzen geschönt haben könnte. Nach einer Seitwärtsbewegung auf tieferem Niveau bis Mittag weiteten die Indizes ihre Kursverluste am frühen Nachmittag noch einmal aus. Im späten Handel zogen die neuerlich schwachen US-Märkte die Börsen noch tiefer ins Minus.

Angeführt wurden die Kursverlierer von Medienwerten, die im Sog von Vivendi deutlich an Terrain einbüßten. Sehr schwach tendierten auch der Tech-Sektor sowie Telekom-Titel. Abschläge auf breiter Front gab es ferner bei Banken, Versicherern und Finanzdienstleistern zu verbuchen.

Zu den Aktien im Blickpunkt zählten einmal mehr Vivendi Universal, die nach einer Herabstufung der Bonität durch Moody's um 25,52 Prozent einbrachen. Im späteren Verlauf hatten Schnäppchenjäger das Minus, das zeitweise auf über 35 Prozent angewachsen war, wieder etwas verringert. Moody's hat das Rating für langfristige vorrangige Verbindlichkeiten von "Baa3" auf "Ba1" gesenkt. Damit hat das Rating des Medienkonzerns Junk-Bond-Status erreicht. Der umstrittene Vorstandsvorsitzende Jean-Marie Messier hat die Gerüchte um seine Zukunft beendet und selbst seinen Rückzug aus dem Konzern angekündigt.

Die Aktien von Philips gaben um knapp sieben Prozent nach. Die Anleger sorgten sich um mögliche Abschreibungen auf die Beteiligung an Vivendi, vermuteten Händler. Im Tech-Sektor büßten Alcatel etwas mehr als acht Prozent an Wert ein. Der Konzern dürfte nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg jedoch bilanziell stark genug sein, um die Phase des anhaltenden Rückgangs des Marktvolumens zu überstehen, hieß es. Nach einer Zurücknahme des Kursziels durch die Analysten von Morgan Stanley von 28 auf 23 Euro fielen Infineon um 5,75 Prozent. Nokia sanken um 5,6 Prozent.

Unter den Telekom-Werten führten France Telecom mit minus 6,94 Prozent die lange Liste der Kursverlierer an. Das Unternehmen bekommt 324 Mill. Euro in bar von Orange für einen Anteil am ägyptischen Mobilfunk-Marktführer MobiNil. Laut WestLB Panmure ist der Preis fair, spiegele aber auch mögliche Interessenkonflikte wider. Die Aktien von Orange gaben um sechs Prozent nach.

Unter den Automobilwerten brachen VW laut Marktteilnehmern auf Grund von Depotumschichtungen zu Gunsten von DaimlerChrysler und BMW um knapp 6,5 Prozent ein. DaimlerChrysler schwächten sich um knapp vier Prozent ab und BMW lagen um 3,65 Prozent tiefer. Bei den Versicherer zählten Allianz mit minus sieben Prozent zu den größten Abgebern.

Börse Index Schluss Diff (P) Diff (%)
Wien ATX 1.228,09 - 30,66 -2,44
Frankfurt DAX 4.192,47* - 174,34 -3,99
London FT-SE-100 4.546,8 - 139,0 -2,97
Paris CAC-40 3.735,66 - 161,71 -4,15
Zürich SPI 4.063,18 - 83,54 -2,01
Mailand MIBtel 19.936,00 - 553,00 -2,70
Madrid IBEX-35 6.713,40 - 180,20 -2,61
Amsterdam AEX 420,80 - 18,13 -4,13
Brüssel BEL-20 2.472,65 - 63,36 -2,50
Stockholm SX Gesamt 179,82 - 3,36 -1,83
Europa Euro-Stoxx-50 2.998,65* - 132,74 -4,24

2.7.2002 18:30