ÖBB bauen bis 2006 weitere 7.000 Jobs ab
- Abgänge sollen vier Jahre lang nicht ersetzt werden
- Weitere Frühpensionierungs-Aktion ?
6.000 bis 7.000 ihrer mehr als 48.000 Stellen wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in den nächsten vier Jahren streichen. "Es gilt das Unternehmen zu sanieren", heißt es wörtlich in einer abendlichen Aussendung von ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde, und "den Kundennutzen zu maximieren."
Die ÖBB haben ihr neues Sparprogramm als "Strukturpaket zur marktgerechten Verschlankung" des Unternehmens verteidigt. Ein Teil des "umfassenden Strukturpakets", das im Hinblick auf die kommende Liberalisierung umgesetzt werde, sei es, den natürlichen Personalabgang nicht nachzubesetzen.
Aufnahmestopp
1994 hatten die ÖBB 65.000 Mitarbeiter, aktuell gebe es knapp 48.000 Eisenbahner. "Nur dort wo es die Wettbewerbsfähigkeit und die Kundenorientierung erfordert, wird es zu Neuaufnahmen kommen", so der Vorstand. Ziel sei eine Verschlankung des Unternehmens, die "marktgerecht" durchgeführt werden sollen. Überkapazitäten würden bereits jetzt erfolgreich durch "Insourcing" oder durch den Einsatz für Dritte am freien Markt genutzt.
Gewerkschaft droht
Während Vorstandschef Rüdiger vorm Walde bereits gestern, Montagabend, von einem "umfassenden Strukturpaket" sprach, das mit Blick auf die kommende Liberalisierung umzusetzen sei, bangt die Eisenbahnergewerkschaft bei Stellenkürzungen in diesem Ausmaß um die Aufrechterhaltung des Zugs- und Schalterbetriebs. Der Chef der Eisenbahngewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, mutmaßt, dass der ÖBB-Vorstand unter massivem Druck der Politik steht - namentlich vom Finanz- und vom Verkehrsminister, "weil dort offenbar sonst nichts weiter geht". Gegen ein personelles Aushungern der Bahn "werden wir uns mit allen Mitteln wehren", kündigte der oberste Eisenbahngewerkschafter am Dienstag gegenüber der APA an. Das gehe bis zu Kampfmaßnahmen.
ÖBB-Generaldirektor Vorm Walde hat das Sparprogramm als "Strukturpaket zur marktgerechten Verschlankung" des Unternehmens verteidigt. Es gelte das Bahnunternehmen zu sanieren, im Wettbewerb zu bestehen und den Kundennutzen zu maximieren. Teil des "umfassenden Strukturpakets" sei es, den natürlichen Personalabgang nicht nachzubesetzen. Dass zugleich eine Frühpensionierungswelle bevor stehen könnte, stellte vorm Walde heute früh via ORF in Abrede. Auch Gewerkschafter Haberzettl will davon nichts hören.
Haberzettl erinnerte daran, dass schon in der Ära Draxler fast 18.000 Arbeitsplätze bei der Bahn weggefallen seien. Er räumt ein, dass mit laufenden technischen Rationalisierungsinvestitionen weitere Einsparungen wirksam würden, dies könnten aber nicht 6.000 oder 7.000 Posten sein, sondern höchstens die Hälfte davon, eher 2.000 bis 3.000. Dies wäre bis 2006 ein "realistischer Rahmen", der mit der jährlichen natürlichen Fluktuation zu bewerkstelligen sei. Alles was darüber hinaus gehe, gefährde die Aufrechterhaltung der Dienste. "Das geht entweder zu Lasten der Sicherheit oder zu Lasten des Kundendienstes." Er, Haberzettl, "gehe davon aus, dass Vorm Walde weiß, dass er Generaldirektor eines Dienstleistungsunternehmens ist". Was harte Schnitte für einzelne Dienstleistungen bedeuteten, hätten die Bahnkunden ja schon erfahren müssen. So habe etwa die Einsparung von 400 Leuten dazu geführt, dass man heute kein Reisegepäck mehr am Bahnhof aufgeben könne.
Haberzettl bekräftigte, dass der für heuer geltende Aufnahmestopp ("restriktive Aufnahmen") Ende 2001 im Rahmen der Lohnrunden vereinbart worden sei. Darüber hinaus gebe es bisher keine weiteren Abkommen. Dass das Management zusätzliche Aufnahmestopps wolle sei legitim, im Rahmen der nächsten Lohnverhandlung im Herbst: "Wenn man uns 8 Prozent mehr gibt, kann man auch über einen weiteren Aufnahmestopp reden", ätzt Haberzettl. Vom Verkehrsminister urgiert der Gewerkschafter, endlich in die Gespräche über die Neustrukturierungen eingebunden zu werden. Überfällig seien im Ressort auch gesetzliche Richtlinien für die bevorstehende Liberalisierung des Güterverkehr.
Nutzenmaximierung
Jeder Arbeitsplatz vor einer Neubesetzung genau durchleuchtet werde. Das "ehrgeizige Ziel" sei es, den Marktanteil im Personen- und Güterverkehr zu steigern - im Personenverkehr allein von acht auf 12 Prozent. Das entspricht einem Passagierzuwachs um 50 Prozent. Die ÖBB seien ein dereguliertes Unternehmen und stünden im Wettbewerb, sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr, so der ÖBB-Chef. Wettbewerb funktioniere über die Kosten- und die Einnahmenseite. Der Personalabbau sei aber, wenn die ÖBB Erfolg im Wettbewerb hätten, "keine Einbahnstraße". Als Dienstleister lebe man von einer hohen Verfügbarkeit, weckt Vorm Walde die Hoffnung auf Neuaufnahmen in ferner Zukunft.
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