HP-Chefin Carly Fiorina in Wien: Konsumenten-Macht
- 1.000 Gäste bei "HP Top Executive Event" in Wiener Hofburg
- Schüssel: Österreich will mit Weltspitze mithalten

Die Chefin des zweitgrößten Computerkonzerns der Welt, Hewlett-Packard (HP), Carly Fiorina, traf am Montag in Wien mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zusammen. In der Hofburg hielt sie vor 1.000 Gästen eine Rede. Inhalt: Heute bestimmen die Anwender, die Konsumenten, was und wer sich auf dem engen Hi-Tech-Markt durchsetzt und wer untergeht.
"Zum ersten Mal in der Geschichte der Industrie bestimmt der Konsument die weitere technologische Entwicklung. Jetzt geben die Kunden die Richtung vor." Dies sei eine "tektonische Verschiebung" in der IT-Landschaft, ortete die Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), Carly Fiorina, gestern Abend bei einer Rede in der Wiener Hofburg eine neue Herausforderung für die Branche.
Die Macht der Konsumenten
"Die Anwender wollen Lösungen, nicht Produkte. Sie sitzen am Hebel", so Fiorina im nicht ganz voll besetzten Festsaal der Hofburg. Erleichtert werden soll dies durch das Zusammenwachsen von Endgeräten, Infrastruktur und neuen Web-basierten Anwendungen. Wie schnell und wie verbreitet sich eine Technologie durchsetze, hänge letztendlich davon ab, wie sie von den Konsumenten eingesetzt werde. Zudem müssten die Unternehmen umdenken: "Entweder sie spezialisieren sich oder sie bauen ihre Kapazitäten aus und werden zum Komplettanbieter", ist sich die 47 Jahre alte Vorzeige-Managerin sicher. Durch den Zusammenschluss mit Compaq habe man diesen Schritt getan.
"Bei HP wissen wir, entweder wir bestimmen diesen Trend oder wir werden von ihm fortgespült", so die HP-Chefin, zeigte sich aber überzeugt, dass HP die "architektonische Verschiebung" in Richtung offener, auf industriellen Standards basierender IT-Architektur, anführen werde. "Wir werden der Lösungsanbieter, der ihnen das liefert, was sie am meisten wünschen - Wahlfreiheit", sagte Fiorina.
Treffen mit Schüssel
Im Vorfeld der Veranstaltung war Fiorina mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) zusammengetroffen. Das einstündige Gespräch habe sich mit den neuesten Tendenzen in der IT-Industrie und dem E-Government beschäftigt. "Diese Themen sind für uns von ganz besonderer Bedeutung", sagte Schüssel anschließend. Einige Schritte in diese Richtung seien bereits gesetzt worden. Man habe gemeinsame E-Government-Projekte angesprochen, vor einer Umsetzung sei es aber wichtig, über den Zweck der Technologie zu sprechen, sagte Fiorina. Österreich sei ein wichtiger Markt für "HP neu" - nicht zuletzt, weil sich hier das Hauptquartier für Zentral- und Osteuropa befinde.
HP "für seine Glaubwürdigkeit bekannt"
Angesprochen auf die Probleme, die mehrere große US-Konzerne aktuell mit ihrer Bilanzierung haben, meinte Fiorina, "jedes Mal, wenn ein Unternehmen seine Aktionäre irreführt, beeinflusst das auch auch das Umfeld". So etwas dürfe nicht noch einmal passieren, man müsse dagegen Maßnahmen treffen. Ihr eigenes Unternehmen sei aber für seine Glaubwürdigkeit bekannt. "Für unser Unternehmen ist der Charakter ebenso wichtig wie seine Fähigkeiten".
Carly Fiorina
HP-Chefin Carleton (Carly) S. Fiorina, Vorzeige-Managerin des Silicon-Valley, war eine der ersten Frauen an der Spitze eines großen US-Konzerns. Seit ihrem Firmeneintritt im Juli 1999 hat Fiorina die Neuausrichtung von HP maßgeblich mitbestimmt. Laut "Fortune Magazine" ist sie die mächtigste Frau im Wirtschaftsleben weltweit. Vor ihrem Eintritt bei HP arbeitete Fiorina fast 20 Jahre bei AT&T und Lucent Technologies, wo sie verschiedene Führungspositionen im Verkauf und Marketing bekleidete. Als Präsidentin des "Global Service Provider Business" von Lucent erweiterte sie das internationale Geschäft des Unternehmens und leitete die Planung und Durchführung des Börsengangs sowie der nachfolgenden Ausgliederung aus AT&T.
Fiorina absolvierte ein Geschichts- und Philosophiestudium an der Stanford University und schloss ein MBA-Studium an der Robert H. Smith School of Business der University of Maryland in College Park, sowie ein Naturwissenschaftsstudium an der MIT's Sloan School jeweils mit einem Magistertitel ab. Im Juli 2001 wurde sie zum Ehrenmitglied (Honorary Fellow) der London Business School ernannt. Sie ist Mitglied des Aufsichtsrats von Cisco Systems und war früher Aufsichtsratsmitglied der Kellogg Company und der Merck & Company.
Umstrittene Fusion
Die Fusion von Hewlett-Packard mit Compaq war Anfang Mai nach monatelangem heftigem Streit bei HP rechtlich in Kraft getreten. HP kaufte Compaq für rund 20 Mrd. Dollar auf. Damit wurde der zweitgrößte Computerkonzern der Welt nach IBM geschaffen. "HP neu" hat einen Jahresumsatz von etwa 80 Mrd. Dollar und beschäftigt 150.000 Menschen in 160 Ländern. Walter Hewlett, Sohn des HP-Mitbegründers Bill Hewlett, hatte den Zusammenschluss heftig bekämpft. Er scheiterte jedoch sowohl vor Gericht als auch bei der Aktionärsabstimmung.
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