Montag, 1. Juli 2002

Deutsche Fußball-Nationalmannschaft wieder daheim

  • Ohren betäubender Jubel in Frankfurt
  • PLUS: So feierten die Brasilianer, so die Deutschen (Kasten)

Mit einer perfekten Landung ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Montag an Bord des Sonderflugs LH 717 von der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan nach Frankfurt/Main zurückgekehrt (Bilder siehe Kasten rechts). Überpünktlich um 16:39 Uhr setzte die Boeing 747-400 nach dem verspäteten Start um 05:33 Uhr (MEZ) in Tokio mit den Vize-Weltmeistern und Teamchef Rudi Völler sicher auf Rhein-Main auf.

In der Frankfurter Innenstadt wurde die deutsche Mannschaft von etwa 50.000 Menschen enthusiastisch gefeiert. Schon an der Strecke bei der Fahrt vom Flughafen war die Begeisterung unter vielen Tausenden übergeschwappt.

Frankfurt schien für einen Moment zu Ehren der "Fußball-Helden" still zu stehen, als das Team im Zentrum der Stadt am Römerberg auftauchte. Ein Fahnenmeer empfing die Spieler. Die Jubelgesänge wollten kein Ende nehmen. "Das ist Wahnsinn. Ihr habt uns getragen durch das Turnier. Ich bin stolz, dass ich Kapitän dieser Nationalmannschaft sein durfte. Vielleicht treffen wir uns in vier Jahren wieder, und dann als Weltmeister", sagte Torhüter Oliver Kahn.

Begeisterungsstürme brandeten auf. Sichtlich beeindruckt nahm auch Teamchef Rudi Völler das Mikrofon und fragte schelmisch: "Was wäre eigentlich gewesen, wenn wir gestern
gewonnen hätten und Fußball-Weltmeister geworden wären?"

Blumensträuße in den Frankfurter Farben rot und weiß flogen aus den Händen der Spieler in die Fangemeinde, die ihren Helden zu Füßen lag. Arm in Arm schunkelte das DFB-Team mit Biergläsern in den Händen zu den Klängen von "We are the champions" und "Es gibt nur einen Rudi Völler".

Rund 700 Gäste aus Politik, Sport und Gesellschaft waren zum Empfang im Kaisersaal geladen, in dem sich die Spieler in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Dabei waren auch die 74er-Weltmeister Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Begeisterung pur bei den Fans: "Das ist das Schönste, was ich je erlebt habe. Es ist noch besser als beim EM-Titel 1996, weil wir nicht so viel erwartet haben", sagte eine völlig aufgelöste Frankfurterin.

"Es ist sensationell, was hier los ist", meinte der fünffache WM-Torschütze Miroslav Klose. "Das ist der absolute Wahnsinn, was hier abgeht", schloss sich ihm Abwehrspieler Carsten Ramelow an. Michael Ballack konnte gar nicht genug kriegen und forderte die Fans auf: "Mehr, mehr. Wir sind stolz darauf, solche Fans zu haben, die genau unsere Leistung einschätzen können."

Nach dem Empfang hieß es für alle: Endlich Urlaub. "Ich freue mich darauf, den Kleinen, Freundin und Familie wiederzusehen", sagte der im Endspiel gesperrte und schmerzlich vermisste Ballack, der am schon in 21 Tagen seinen Dienst bei seinem neuen Arbeitgeber Bayern München antreten muss. Viel Zeit zur Erholung bleibt den Stars nicht: Schon in fünf Wochen beginnt die Bundesliga wieder, am 21. August wird die Nationalmannschaft das erste Länderspiel als Vizeweltmeister in Sofia gegen Bulgarien bestreiten.

1.7.2002 17:58