Montag, 1. Juli 2002

Auszeichnung für Kahn löst in Brasilien Proteste aus

  • Brasilianischer Keeper Marcos: "Lächerlich"
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Die Wahl des deutschen Nationaltorhüters Oliver Kahn zum besten Spieler der 17. Fußball-Weltmeisterschaft hat in Brasilien Proteste ausgelöst. Als "lächerlich" bezeichnete der brasilianische WM-Tormann Marcos die Auszeichnung mit dem "Goldenen Ball" des Sportartikelherstellers adidas für Kahn. Der deutsche Goalie hatte von 592 an der Wahl beteiligten WM-Journalisten 147 Stimmen erhalten und damit vor dem Brasilianer Ronaldo (126) gesiegt.

"Kahn hat bei der WM eine normale Leistung gezeigt, brilliert hat er nicht. Er war nicht besser als ich oder andere Torhüter", meinte Marcos am Dienstag beim Empfang für die Weltmeister in Rio de Janeiro. Wenn ein Keeper die Auszeichnung verdient hätte, dann sei es der Türke Rüstü gewesen. Der beste Spieler der WM sei aber Brasiliens Stürmerstar und WM-Torschützenkönig Ronaldo gewesen. Der Angreifer von Inter Mailand hatte im Endspiel (2:0) beide Tore der Brasilianer gegen Deutschland erzielt, das erste nach einem schweren Fehler von Oliver Kahn.

Kahn für Finalniederlage verantwortlich
Die Zeitung "Folha" beklagte, dass der Weltverband FIFA die Journalisten schon vor dem Finale und zum Teil sogar bereits vor dem Spiel um Platz drei über die besten WM-Akteure habe abstimmen lassen. Kahn sei nicht nur nach Meinung von "Folha" für die Niederlage seiner Elf im Endspiel "direkt verantwortlich" gewesen.

"Goldenen Ball" für Kahn
Bei der Fußball-WM in Südkorea und Japan unterlief Deutschlands Keeper Oliver Kahn nur ein einziger Fehler, doch das Malheur in der 67. Minute zum 0:1 entschied das Endspiel zu Gunsten der Brasilianer. Vom fast Unbezwingbaren, der vor dem Finale in sechs Partien nur einen Treffer kassiert hatte, mutierte der Schlussmann von Bayern München zur tragischen Figur. Dennoch: Jetzt kann er sich über den "Goldenen Ball" für den besten WM-Spieler freuen!

Wie die FIFA am Dienstag mitteilte, erhielt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bei der unter Journalisten durchgeführten Wahl 147 Stimmen. Dahinter folgten WM-Torschützenkönig Ronaldo (126 Nominierungen) und der Südkoreaner Hong Myung-Bo (108 Stimmen) auf den Plätzen. Mit Kahn setzte sich in der seit 1982 durchgeführten Wahl erstmals ein Torhüter durch, die bisherigen Gewinner waren Paolo Rossi, Diego Maradona, Salvatore "Toto" Schillaci, Romario und Ronaldo.

Trauer nach dem verlorenen Finale
Minutenlang saß Kahn nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen an den Torpfosten gelehnt. Trösten konnte ihn in dieser Situation keiner, auch wenn es die gesamte Equipe versuchte. Teamchef Rudi Völler ("Für Olli gibt es von uns keine Vorwürfe") nahm ihn ebenso in Schutz wie die Mannschaftskollegen.

Doch Kahn wusste, dass er Deutschland auf die Verlierer-Straße gebracht hatte, als er einen unplatzierten Schuss Rivaldos aus 20 Metern nicht festhalten konnte und Ronaldo zum 1:0 für den neuen Weltmeister abstaubte. Ein Mann wie er, der sich der Perfektion verschrieben hat, konnte sich in den Stunden nach dem Finale auch nicht über den zweiten Platz freuen. Kahn: "Wenn der einzige Fehler des Turniers zur Final-Niederlage führt, dann ist es eigentlich noch zehn Mal bitter."

Deutschland: Kein Finale ohne Kahn
Doch die Kollegen waren sich bewusst, dass die den zweiten WM-Rang in erster Linie ihrem Keeper zu verdanken haben. Verteiger Metzelder: "Nur dank Olli sind wir überhaupt ins Finale gekommen. Und auch gegen Brasilien hat er uns mit Paraden lange im Spiel gehalten." Trotz dieses Fehlers wurde der 33-jährige Schlussmann von der FIFA zu Recht zum besten Torhüter des Turniers gewählt.

Kahn spielte Finale verletzt zu Ende
Dass er sich bei einem Zusammenstoß mit Kleberson einen Bänderriss im Ringfinger der rechten Hand zugezogen hat, wurde von Kahn nach der Begegnung kaum thematisiert. "Jetzt gehe ich ja in die Ferien, da behindert mich der verletzte Finger nicht." Entschuldigungen für den Patzer ließ er ebenso wenig gelten wie er Trost dafür entgegen nehmen wollte.

"Collina bringt uns einfach kein Glück"
Kahn hatte übrigens schon vor dem Anpfiff kein gutes Omen. Als bekannt wurde, dass Schiedsrichter Pierluigi Collina die Partie pfeifen würde, war für ihn alles klar. "Collina ist ein Weltklasse-Schiedsrichter, daran gibt es keinen Zweifel. Aber er scheint uns einfach kein Glück zu bringen." Mit Collina unterlag Kahns Verein Bayern München im Finale der Champions-League 1999 gegen Manchester und das DFB-Team in München mit 1:5 gegen England.

1.7.2002 08:34