Donnerstag, 4. Juli 2002

Austria Wien hofft auf ersten Titel seit 1993

  • Schachner: "Wollen uns an der Spitze etablieren"
  • Bei Rotation keine Probleme mit den Stars

In der Bundesliga, die am Dienstag Abend im Horr-Stadion (19.30) mit dem Match Austria Wien - SV Ried eingeleitet wird, deutet vieles auf ein Ende der Wiener Durststrecke hin. Rapid, zuletzt 1996 erfolgreich, kommt für den Titel wohl nicht in Frage. Großeinkäufer Austria Wien dagegen könnte sich erstmals seit 1993 in die Meisterliste eintragen. Die Wiener Violetten werden angesichts ihres exzellenten Kaders (u.a. mit den Ex-Tirolern Gilewicz und Panis sowie Heimkehrer Flögel) allgemein als Topfavorit gehandelt.

Während die Konkurrenz, nicht zuletzt durch den FC-Tirol-Absturz gewarnt, zum Großteil kleinere Brötchen backen musste, machen die Millionen von Hauptsponsor Frank Stronach Favoriten zu einer Oase im heimischen Fußball. Mit der erstmaligen Teilnahme am UEFA-Cup seit 1995 (Out in Runde eins gegen Dynamo Minsk) haben die "Veilchen" nach dem Erfolgsrun im Frühjahr unter Interimscoach Didi Constantini ihre leidgeprüften Fans bereits etwas versöhnt, nun will man die Vormachtstellung im Land übernehmen. Auch auf der Vereinshomepage (http://www.fk-austria.at) ist bereits das "Veilchen-Fieber" ausgebrochen, als wirksames "Heilmittel" wird dort ein Austria-Saisonabo empfohlen.

Eine Mannschaft für die Zukunft
"Wir wollen eine stabile Mannschaft für die Zukunft formen und uns an der Spitze etablieren", erklärte Neo-Trainer Walter Schachner, der trotz der immensen Dichte in seinem Kader die elf Fixstarter für die Heimpartie gegen Ried bereits im Kopf hat. "17, 18 Spieler haben absolut das Anrecht zu spielen", weiß auch Sportdirektor Peter Svetits, der seit seinem Amtsantritt einiges bewegt und die "Austria neu" mitgebildet hat, über die Qual der Wahl. Svetits hat aber "vollstes Vertrauen" in seinen Coach.

Ratajczyk als Knackpunkt
Als "Schlüsseltransfer" bezeichnet der Ex-GAK-Boss die umstrittene Verpflichtung des früheren Rapid-Kapitäns Ratajczyk Anfang des Jahres. "Das war der Knackpunkt. Ratajczyk ist einer der besten Spieler in der Bundesliga und hat der Defensive die nötige Stabilität gegeben." Ein großer Kader mit hoher Qualität bedeutet aber auch zwangsläufig, dass sich einige "Stars" des Öfteren auf der Ersatzbank wiederfinden werden. Doch "Schoko" geht davon aus, dass es keine Probleme gibt: "Wir gehen einen Weg auf mehrere Jahre. Dazu brauchen wir einen großen Kader. Jeder ist hundertprozentig Profi, jeder verdient viel Geld und muss akzeptieren auf der Bank zu sitzen. Das ist auch bei den Bayern so".

Schachner hat Mitleid mit Hickersberger
Ein wenig Mitgefühl hat Schachner mit seinem "Cordoba-Kumpel" Josef Hickersberger, der ja beim Erzrivalen Rapid angeheuert hat. "Er kann einem schon ein wenig leid tun. Bis jetzt wurden fast nur Spieler abgegeben, was soll man da als Trainer machen?". Sein Sportdirektor Svetits betont aber stets, dass auch bei der Austria kostengünstig eingekauft wurde und wird: "Das wird von der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Bei uns wurde das Geld ja auch nicht abgeschafft. Es kommt nicht darauf an, ob die Spieler teuer oder billig sind, sondern ob sie gut sind."

Ziel ist die Champions League
Ob allerdings die immer wieder verkündete Hoffnung von Big Spender Frank Stronach ("Wir wollen in der Champions League ernsthaft mitspielen") realisiert werden kann, bleibt abzuwarten. "Die Qualität ist da. Jetzt muss sich die Mannschaft finden und das Gefüge muss passen. Dann kann diese Mannschaft auch für den einen oder anderen internationalen Erfolg sorgen", glaubt Svetits. Mit einem Stronach im Rücken fühlt man sich aber auf jeden Fall um einiges wohler. "Wenn wir einen starken Spieler brauchen, dann wird er uns das auch in Zukunft ermöglichen", sagt Schachner, der weiter von einem "offenen" Geldhahn Stronachs ausgeht.

Rushfeldt weitere drei Jahre bei der Austria
Sigurd Rushfeldt, der mit seinen elf Frühjahrstreffern maßgeblichen Anteil am Austria-Höhenflug unter Dietmar Constantini gehabt hat, geht auch in Zukunft für die Violetten auf Torjagd. Sportdirektor Peter Svetits gelang nach zähen Verhandlungen eine finanzielle Einigung mit dem spanischen Klub Racing Santander, der die Transferrechte für den Norweger besessen hatte. Der im vergangenen November von Rosenborg Trondheim zur Austria gestoßene Stürmer, der sich schon seit einiger Zeit mit den Veilchen einig war, erhielt einen Drei-Jahres-Vertrag.

Mit Santander einig
3,5 Millionen Euro hatte Santander für Rushfeldt gefordert, nur rund die Hälfte muss nun die Austria berappen. "Es war hart und knapp. Am Ende hat es aber so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben die Option verfallen lassen und haben uns jetzt darauf geeinigt, dass eine Million sofort fällig ist und 800.000 Euro im nächsten Jahr", verriet Svetits.

Meisterschafts-Platzierungen der Austria seit 1993 (letzter Meistertitel):
1994: 2. (Cupsieger)
1995: 4.
1996: 5.
1997: 6.
1998: 7.
1999: 7.
2000: 4.
2001: 5.
2002: 4.

4.7.2002 11:59