Donnerstag, 4. Juli 2002

Stephanie Graf verzichtet auf EM-Start in München

  • Operation noch im Juli
  • Kärntnerin denkt aber schon ans große Comeback 2003

800-m-Vizeweltmeisterin Stephanie Graf muss wegen einer "Auftreibung des Ischiasnervs" die Saison 2002 vorzeitig beenden. Die für ihren riesigen Ehrgeiz und Trainingseifer bekannte Kärntnerin ist seit mehreren Wochen durch Schmerzen in der Leistengegend gehandicapt. Bis zuletzt hat die Kärntnerin trotzdem alles versucht, um doch noch an den Leichtathletik-Europameisterschaften in München (6. bis 11. August) teilnehmen zu können. Doch nach einer weiteren Untersuchung bei Verbands- und Olympiaarzt Dr. Alfred Engel in Wien beschloss die 29-Jährige, die Saison vorzeitig abzubrechen und sich noch im Juli einer Operation zu unterziehen.

Begonnen hatte Grafs Leidensgeschichte vor etwas mehr als einem Monat mit Schmerzen in der rechten Leiste, die zeitweise in den Rücken, dann wieder in den Oberschenkel ausstrahlten und den Start in die Freiluft-Saison unmöglich machten. "Österreichs Sportlerin der Jahre 2000 und 2001", die sich nach dem zweiten Platz bei der Hallen-Heim-EM am 3. März in Wien auf die München-Vorbereitung konzentrierte, ließ sich von dieser Pein, für die Mediziner lange Zeit keine Erklärung hatten, aber vorerst nicht unterkriegen und biss zunächst die Zähne noch fester als sonst im Training zusammen.

Schmerzende Leiste "betäubt"
Schon bald musste sie jedoch zu drastischeren Mitteln greifen, um ihren extrem harten Tempoeinheiten noch nachgehen zu können. Die schmerzende Leiste bzw. der Oberschenkel wurde auf verschiedenste Art "betäubt". "Ich habe mir die schmerzende Stelle sogar mit einer Bienengiftsalbe eingeschmiert. Da hat der Oberschenkel dann so gebrannt, dass man darauf Garnelen braten konnte, aber die Schmerzen waren auch nicht mehr zu spüren", erzählte die Olympia-Zweite von Sydney damals.

Am absoluten Tiefpunkt
Schließlich wurde die Beeinträchtigung aber so groß, dass auch diese Methode nicht mehr half und Training für die Olympia-Zweite von Sydney 2000 nicht mehr in Frage kam. "Ich konnte nicht einmal mehr mit einem Liter Milch in der Hand durch die Wohnung gehen", erinnert sich Graf an den absoluten Tiefpunkt. Und auf Grund der anhaltenden Ratlosigkeit der Ärzte flog sie dann nach Wien zum Olympia-Arzt Dr. Engel, der die "Auftreibung des Ischiasnervs" feststellte und zu einer Operation riet.

Graf denkt schon an Olympia 2004
Trotz dieses Rückschlags lässt Österreichs erfolgreichste Läuferin der Geschichte den Kopf nicht hängen, sondern gewinnt dem bevorstehenden Eingriff positive Seiten ab. "Da ich schon seit fast sieben Jahren praktisch durchtrainiert habe, wird meinem Körper eine Pause sicher gut tun. Mit meinem Trainer Helmut Stechemesser war sowieso abgesprochen, dass ich vor Olympia 2004 in Athen, einmal leiser treten muss. Dazu ist der Zeitpunkt jetzt vielleicht gar nicht so schlecht. Außerdem habe ich ja schon alle drei EM-Medaillen", verwies Graf auf ihren Hallen-EM-Titel 2000, die Silbermedaille bei der Heim-EM im März und Freiluft-EM-Bronze 1998 in Budapest.

Start bei Hallen-WM im März 2003 geplant
"Für meine Gesundheit ist diese Operation sicher das Beste. Und je schneller die Ursache für die Schmerzen entfernt wird, desto schneller kann ich wieder mit dem Neuaufbau für die WM-Saison 2003 beginnen", denkt die sechsfache Medaillengewinnerin bereits wieder an die sportliche Zukunft. Und angesichts ihres unglaublichen Willens, sich im Training quälen zu können, werden ihre Gegnerinnen schon bei der Hallen-WM in Birmingham (14. bis 16. März 2003) wieder mit ihr rechnen müssen. Denn im besten Fall könnte Graf bereits zwei bis drei Wochen nach der Operation im Juli wieder mit leichtem Lauftraining beginnen.

4.7.2002 09:13