Sonntag, 7. Juli 2002

Nordirische Polizei vertreibt Demonstranten mit Wasserwerfern

  • Oranier verurteilen Gewaltakte
  • Einige Polizisten und ein Protestant verletzt

Krawalle bei Oranier-Marsch in Nordirland: Bei heftigen Zusammenstößen zwischen gewalttätigen Demonstranten und der Polizei nach der alljährlichen Oranierorden-Parade im nordirischen Portadown sind am vergangenen Wochenende 24 Beamte verletzt worden, zwei davon schwer. Im Anschluss an den Triumphmarsch der Oranier in der Grafschaft Armagh wurden die Polizei und britisches Militär von Ordensanhängern mit Flaschen und Steinen beworfen!

Führende britische Politiker haben die schweren Ausschreitungen gegen Polizisten bedauert. Es ist eine Schande, dass so viele Polizisten verletzt wurden", sagte der Chef der nordirischen Regionalregierung, Friedensnobelpreisträger David Trimble.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte: "Es ist sehr enttäuschend, das eine Demonstration, die anständig und geordnet sein sollte, durch das rowdyhafte Betragen und das Gangstertum einer kleinen Minderheit beeinträchtigt wurde."

Die Polizei war nach Straßenschlachten mit Wasserwerfern gegen mehrere hundert militante Protestanten vorgegangen. Rund 300 Demonstranten hatten in der Nacht auf Montag stundenlang vor einer Straßensperre protestiert, nachdem die Ordnungskräfte einen Marsch des protestantischen Oranier-Ordens durch ein katholisches Stadtviertel verboten hatten. Gegen Mitternacht (01.00 Uhr MESZ) harrten nur noch eine Handvoll Demonstranten an den Sperren aus.

Oranier kündigen Konsequenzen an
Die Oranier-Parade in Portadown war am Sonntagabend in eine Straßenschlacht ausgeartet, als die Polizei den rund 2.000 Teilnehmern den Weg durch die katholische Garvaghy Road verwehrte. Bei heftigen Zusammenstößen wurden 24 Polizisten verletzt, zwei davon schwer. Der Oranier-Orden verurteilte die Gewalttaten und kündigte Disziplinarmaßnahmen gegen jene Mitglieder an, die sich an den Ausschreitungen beteiligt hatten.

Mit ihren Umzügen gedenken die Oranier jedes Jahr der Schlacht am Fluss Boyne, in der Wilhelm III. von Oranien im Juli 1690 den zum Katholizismus übergetretenen und vertriebenen Jakob II. besiegt hatte. Die Katholiken empfinden die Märsche als Provokation. Höhepunkt der alljährlichen Marschsaison ist der 12. Juli.

7.7.2002 09:28