Neuer Hormonskandal erschüttert Deutschland
- Fast 7.000 belastete Schweine
- In Österreich bisher keine Verseuchungen!

Nach dem Nitrofen-Skandal ist das Vertrauen der Verbraucher in Fleischprodukte in Deutschland erneut schwer erschüttert: Fast 7.000 womöglich hormonverseuchte Schlachtschweine sind von den Niederlanden geliefert worden, das teilte das Bundesverbraucherministerium am Freitag mit.
Zunächst war von nur 2.200 Tieren die Rede gewesen. In Österreich wurden bisher keine derartigen Verseuchungen festgestellt, so Univ.-Prof. Dr. Walter Schuller, Geschäftsführer der Ernährungsagentur.
Das meiste Fleisch, in dem sich möglicherweise Rückstände des verbotenen Wachstumshormons MPA befinden, lässt sich nach offiziellen Angaben nicht mehr sicherstellen. Allerdings rechnet das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin nicht mit einer akuten Gesundheitsgefährdung.
Nach Angaben des bgvv ist zu erwarten, dass die Hormon-Rückstände im Fleisch eher niedrig ausfallen. Zudem werde MPA rasch ausgeschieden, weswegen keine akute Gefahr von dem Fleisch ausgehe. Das sythetisch hergestellte Hormon MPA (Medroxyprogesteronazetat) wird in der Humanmedizin unter anderem zur Verhütung und auch in der Tiermedizin eingesetzt. Bei Lebensmittel liefernden Tieren ist es aber nicht zugelassen.
Eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums teilte mit, dass 5.686 Schweine nach Nordrhein-Westfalen, 1.064 nach Niedersachsen und 230 nach Rheinland-Pfalz gebracht worden seien. Über diese Lieferung sei das Ministerium am Donnerstag von den Niederlanden informiert worden. Am Dienstag sei bekannt geworden, dass rund 30 Tonnen möglicherweise MPA-kontaminiertes Futter an einen Betrieb in Niedersachsen geliefert worden seien. Der Betrieb sei gesperrt worden.
Das Fleisch kann nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) nicht mehr sichergestellt werden. Die letzten Schlachtungen seien knapp zwei Wochen her "und deshalb kann man das Fleisch jetzt kaum noch aufspüren", sagte Höhn im ARD-Morgenmagazin. Die Verbraucher müssten aber nicht in Panik geraten.
In den Niederlanden wurden nach dem MPA-Fund zahlreiche Höfe unter Aufsicht gestellt. Die Hormonspur führt offenbar nach Belgien: Die mit MPA-versetzten Futtermittel stammten aus einem belgischen Betrieb, der für solche Lieferungen nicht zugelassen war, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Behörden. Kurzfristig sei es nicht möglich festzustellen, wohin Futtermittel dieser Firma verkauft worden seien. Auch in Belgien wurden Höfe gesperrt, die Ferkel aus den Niederlanden gekauft hatten. Der Deutsche Bauernverband zeigte sich empört über die MPA-Funde.
Erste Meldungen über einen MPA-Verdacht bei Schweinen in den Niederlanden gingen in Deutschland nach Angaben des Verbraucherministeriums am 27. Juni ein. Nach Informationen der "Westdeutschen Zeitung" wurde das Ressort von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) dagegen schon am 25. Juni gewarnt. Der Zeitung liege ein entsprechender Brief des niederländischen Landwirtschaftsministeriums vor, meldete das Blatt.
(Schluss) hai
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