Dienstag, 2. Juli 2002

Trauerfeier für Opfer des Bodensee-Crash

  • 53 der 71 Toten sind mittlerweile identifiziert
  • Plus: Die Chronologie des Unglücks und die Bilder!

Mit einer Trauerfeier hat Baden-Württemberg am Freitag in Überlingen der 71 Opfer des Flugzeugunglücks vom Bodensee gedacht. Mehrere Hundert Menschen haben an der Zeremonie teilgenommen. Ein moslemischer Geistlicher und ein russisch-orthodoxer Priester für die Christen anwesend.

Ministerpräsident Erwin Teufel sagte: "Die Menschen in unserem Lande empfinden Mitleid mit den Trauernden." Der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger räumte Informationsprobleme und Unterlassungen nach dem Unglück ein und sicherte Hilfe für die Hinterbliebenen zu.

"71 Menschen sind mit einem Schlag hinweggerafft worden. Sie haben einen entsetzlichen, technischen Tod erlitten. Nicht nur ihr Leben wurde vernichtet, auch ihr Gesicht, ihr Körper, ihr Name, ihre Identität", sagte Teufel. Zwar hätten keine Menschen mehr gerettet werden können. "Aber wir konnten die Opfer bergen und ihnen ihre Identität, ihren Namen und ihre Menschenwürde zurückgeben." Das sei wenig und viel zugleich. "Es ist Humanität und Mitmenschlichkeit", erklärte der Ministerpräsident.

Schweiz will Ursachen aufklären
Die Schweiz werde alles daran setzen, dass die Ursachen und Verantwortlichen für die Katastrophe ermittelt werden, sagte Bundesrat Leuenberger nach seinem in Bern veröffentlichten Redetext. Die Schweiz werde "mit den zuständigen Behörden dafür sorgen, dass Hilfe und Entschädigung für die Opfer und ihre Hinterbliebenen geleistet wird, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist".

Zur Rolle der Schweizer Flugsicherung Skyguide, die unvermittelt in grellem Scheinwerferlicht gestanden habe, sagte der Minister: "Die Konfrontation mit der schrecklichen Vorstellung, Mitursache für den Tod von 71 Menschen zu sein, hat bei uns zu hilflosen ersten Reaktionen und zu wirren und verwirrlichen Informationen, zu Unterlassungen geführt. Nicht alle bei uns haben die richtigen Worte gefunden. Wir wissen das." Die Schweiz sei aber aufgewühlt und leide mit allen Betroffenen, sagte der Verkehrsminister und brachte sein Mitgefühl im Namen des Volkes, der Kantone und des Bundesrats zum Ausdruck.

Genaue Ursache bleibt unklar
Die genaue Ursache des Unglücks, bei dem in der Nacht zum 2. Juli ein russisches Verkehrsflugzeug mit einer Frachtmaschine zusammengestoßen war, war am Freitag weiter unklar. Unter den Opfern waren 45 Kinder, die auf dem Weg in die Ferien nach Spanien waren. Bis zum Freitagvormittag waren 62 der 71 Opfer identifiziert. Noch am Freitag sollte die Identifizierung auch der restlichen Opfer abgeschlossen sein, die direkt im Anschluss daran mit einem Flugzeug in ihre Heimat gebracht werden sollten.

Neben dem Ministerpräsidenten der Autonomen Republik Baschkortostan, Rafael Baidawletow, und dem deutschen Verkehrsminister Kurt Bodewig hatte sich auch das oberste Management der Schweizer Flugsicherung Skyguide für die Trauerfeier angekündigt.

Rund 600 Menschen folgten der Veranstaltung im Kurhaus von Überlingen. Darunter waren viele Helfer und Schüler. Der Festakt wurde ins Freie übertragen.

Neue Einzelheiten
Unterdessen veröffentlichte eine Zeitung weitere Einzelheiten über den Ablauf des Unglücks. Bei der Katastrophe war am 1. Juli kurz vor Mitternacht die russische Passagiermaschine mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL in elf Kilometern Höhe über dem Bodensee kollidiert. Keiner der 71 Insassen beider Maschinen überlebte das Unglück. Bis Donnerstag Mittag wurden 53 Opfer identifiziert, 33 sind bereits in ihre Heimat übergeführt worden.

"Das Ende..."
Die "Braunschweiger Zeitung" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf russische Quellen, der Tupolew-Pilot habe die Fracht-Boeing auf sich zurasen gesehen. "Das Ende...", seien seine letzten Worte gewesen. Mit dieser Nachricht trat Alexander Neradko, Leiter der staatlichen Behörde für zivile Luftfahrt, an die Öffentlichkeit. Experten hätten eine Kopie der Aufzeichnung des Stimmenrekorders aus der TU-154 abgehört, welche die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig einem russischen Vertreter der Unfalluntersuchungskommission überlassen habe.

2.7.2002 06:13