Montag, 1. Juli 2002

Afghanistan: 48 Tote und 117 Verletzte bei US-Angriff

  • Bombe auf Hochzeitsfeier
  • Weitere Ermittlungen angekündigt

48 Tote und 117 Verletzte: Das ist die blutige Bilanz eines US-Bomben-Angriffs auf eine Hochzeitsgesellschaft in Zentralafghanistan. Das bestätigte der Oberbefehlshaber der US-Truppen, General Dan McNeil, gemeinsamen mit dem afghanischen Außenminister Abdullah Abdullah. Beide stellten die Ergebnisse eines Teams von afghanischen und US-Ermittlern der Öffentlichkeit vor.

Die Ermittler waren zwei Tage lang Hinweisen auf Opfer eines US-Angriffs im Bezirk Dehrawad in der Provinz Urusgan nachgegangen. Dabei waren am Sonntagabend laut afghanischer Regierung die Gäste einer Hochzeitsgesellschaft angegriffen worden. Zunächst hatten die US-Ermittler mitgeteilt, es gebe keine Hinweise auf Opfer.

Die aus US-Militärvertretern, afghanischen Regierungsmitgliedern und Stammesältesten zusammengesetzte Kommission war zuvor aus der Gegend um das Dorf Deh Rawud in der abgelegenen Provinz Urusgan nach Kabul zurückgegekehrt. Auf die Ortschaften hatten US-Kampfflugzeuge am 1. Juli einen Angriff geflogen.

"Wir werden alle nötigen Ermittlungen einleiten, um festzustellen, wie es zu diesen zivilen Opfern gekommen ist, und was wir tun können oder festlegen, damit so etwas nicht nochmals passiert", sagte McNeill.

McNeill wiederholte, dass nach Angaben der beteiligten US-Einheiten der Angriff in Reaktion auf einen Beschuss der Flugzeuge vom Boden aus geflogen worden sei. In der Gegend liegt auch der Geburtsort des Taliban-Führers Mohammad Mullah Omar, der im Dezember nach einem wochenlangen Krieg der USA und ihrer afghanischen Verbündeten gestürzt worden war. Dorfbewohner hatten berichtet, während einer Hochzeitsfeier hätten Gäste traditionell Freudenschüsse abgegeben.

1.7.2002 18:54