Wassermangel im Neusiedler See und im Seewinkel
- Pegelstand seit April um 26 Zentimeter gefallen
- Segler und Fähren bekommen Probleme mit Tiefgang

Der größte Steppensee Mitteleuropas, der Neusiedlersee, leidet an akutem Wassermangel. Es fehlen mehr als 60 Zentimeter auf einen normalen Pegel. Der Neusiedler See-Seewinkel ist ein international anerkanntes und geschütztes Feuchtgebiet, seit zwei Jahren allerdings mit empfindlichen Trockenrissen.
Die meisten Lacken, so auch die größte des Gebietes, die Lange Lacke, sind bereits seit Mitte Mai trocken, 70 Prozent des Schilfgürtels derzeit ohne Wasser. Damit sind wertvolle Laichplätze für die Fische praktisch nicht mehr vorhanden. Und die Trockenheit hält an. Die beinahe wöchentlich prognostizierten Regenfälle erreichen den Neusiedler See und den Winkel dahinter nicht. Müde Ausbeute der vergangenen zwei Wochen: 25 Millimeter Niederschlag.
Prof. Dr. Alois Herzig, Leiter der Biologischen Station in Illmitz und Neusiedler See-Forscher, umschreibt die Situation so: "Wir haben seit Wochen Temperaturen über 30 Grad, der kräftige Südwind und die niedrige Luftfeuchtigkeit sind noch weitere Komponenten, die dem See Wasser kosten. Täglich zwischen zwei und fünf Millimetern und manchmal noch mehr. Seit April ist der Wasserstand um 26 Zentimeter gefallen, da helfen die paar Tropfen, die in den vergangenen Stunden gefallen, sind nicht."
An manchen Stellen ist der See bereits so seicht, dass die Fähren nur mehr schwer vorankommen. "Wir haben heuer bereits einen Schaden von mehr als 7.000 Euro", sagte Hermann Drescher, Fährenbesitzer aus Mörbisch. Täglich krachen die Schiffsschrauben. Auf dem offenen Wasser zwischen Mörbisch und Illmitz gehe es noch, neben dem Schilfgürtel sei die Lage schon mehr als kritisch.
Problematisch wird es auch für jene Segelsportler, die den Neusiedler See mit großen, adriatauglichen Schiffen befahren wollen. Auf Grund ihres Tiefganges haben sie bereits in einigen Häfen Schwierigkeiten beim Ein- oder Auslaufen. Aber auch für die tausenden Badegäste wird sich, wenn es weiterhin so heiß und trocken bleibt, einiges ändern. Sie werden vor allem in Strandbädern mit seichten Uferbereichen einen weiten Weg zurücklegen müssen, um schwimmen zu können.
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