Donnerstag, 4. Juli 2002

NEWS: Stadler attackiert ÖVP und Klestil!

  • Einmalig: Volksanwälte treten gegen Stadler auf
  • Kurz & schnell: Alle Reaktionen zur Causa Stadler!

Ewald Stadler sieht nicht ein, was ihm von allen Seiten vorgeworfen wird. Im Gegenteil: Im aktuellen NEWS geht er zum Gegenangriff über und holt zum politischen Rundumschlag gegen den Bundespräsidenten, den ÖVP-Spitzenpolitiker Wilhelm Molterer und selbst gegen eigene Parteikollegen aus. In seiner jüngsten Reaktion auf die Vorwürfe gegen ihn meint der Volksanwalt weiter, er müsse sich keinem politischen Mainstream anpassen.

Stadler im NEWS-Interview: "Ich frage mich, welchen ideologischen Eiertanz der Herr Bundespräsident aufführt. Klestils Ermahnung ist nicht sehr konsistent. Er hat in keiner Silbe jene 200.000 vergewaltigten Frauen erwähnt."

ÖVP-Minister Wilhelm Molterer, diese hatte Stadler Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen, richtet der FPÖ-Politiker aus: "Leopold Figl würde sich in Kenntnis der Molterer-Aussagen im Grab umdrehen. Die ÖVP kennt die Geschichte ganz genau."

Der Kritik seines Parteikollegen Peter Sichrovskys begegnet Stadler wie folgt: "Das finde ich infam und niederträchtig von ihm."

Die Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft werde jedenfalls "nichts ergeben", ist Stadler überzeugt. Stadler wird für die niederösterreichischen Landtagswahlen im Frühjahr 2003 kandidieren. Zu seiner möglichen Spitzenkandidatur, wie in der FPÖ fix kolportiert, sagt er: "Meine Kandidatur in Krems ist fix, alles darüber hinaus Gehende kann ich nicht bestätigen."

Lesen Sie das ganze Interview mit dem momentanen Buhmann der Regierung im aktuellen NEWS!

Stadler kurz Thema im Nationalrat
Mit einem - von der VP-FP-Mehrheit abgelehnten - Antrag auf Fristsetzung zum Bericht der Volksanwaltschaft gelang es der SPÖ, die Causa Stadler am Mittwoch zumindest in einer Kurzdebatte in den Nationalrat zu bringen. Ein Dringlicher Antrag der Grünen dazu war am Dienstag ja zurückgewiesen worden. Am Mittwoch bekräftigte die Opposition ihre Forderung nach Rücktritt Stadlers wegen seiner Aussagen zu NS- und Besatzungszeit. FP-Abg. Harald Ofner kritisierte, es gehe nur darum, Stadler "politisch umzubringen".

Stadler verteidigt sich: Muss mich nicht anpassen
Stadler hat am Mittwoch sein Geschichtsbild verteidigt und alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Den Vorwurf, die Besatzungszeit nach 1945 mit der NS-Zeit gleichgesetzt zu haben, bezeichnete er in einer Pressekonferenz als "infame und niederträchtige Unterstellung". Das Nazi-Regime sei "in der Geschichte einmalig", "die Millionen Opfer sind eine Mahnung für alle Zukunft". Gleichzeitig verwies er aber auch auf die Opfer der Besatzungszeit. Zur Untersuchuung dieser Zeit schlug Stadler die Einsetzung einer Historikerkommission vor. Weiters trat er für eine Wiedergutmachung für diese Opfer ein, auch wenn diese nur symbolisch sein könne.

Volksanwälte Kostelka und Bauer gegen Stadler
"Weil wir uns zur Verfassung, auf die wir angelobt wurden, und selbstverständlich auch zur Proklamation über die Selbstständigkeit Österreichs (StGBl 1/1945) bekennen, lehnen wir die geschichtliche Interpretation von Mag. Ewald Stadler ab. 1945 wurden Demokratie und Rechtsstaat in Österreich wiedererrichtet", schreiben die Volksanwälte Kostelka und Bauer.

4.7.2002 14:15