Samstag, 29. Juni 2002

Xerox verbuchte Milliarden falsch - Aktie "crasht"

  • Laut "Wall Street Journal" mehr als 6 Mrd. Euro Fehlbuchung
  • Unternehmen spricht "von weniger als 2 Milliarden"

Nur zwei Tage nach dem Bilanzskandal beim US-Telekomkonzern WorldCom haben Berichte über angeblich falsche Buchungen beim US-Bürotechnikkonzern Xerox die Finanzwelt aufgeschreckt. Die Aktien der Xerox Corp fielen im europäischen Handel prompt um mehr als 30 Prozent.

Das "Wall Street Journal" berichtete am Freitag unter Berufung auf Unternehmenskreise, eine Buchprüfung von Xerox habe ergeben, dass in den vergangenen fünf Jahren mehr als 6 Mrd. Dollar (6,1 Mrd. Euro) Umsätze falsch verbucht worden seien.

Börsenaufsicht ermittelt seit 2000
Die US-Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC hatte seit dem Jahr 2000 gegen Xerox ermittelt. Bei einem Vergleich im April habe die SEC den Betrag für die Jahre 1997 bis 2000 auf 3 Mrd. Dollar geschätzt. Eine Prüfung, die sich auf 2001 bezog, habe jedoch neue Buchführungsprobleme entdeckt. Die Gesamtsumme an falsch verbuchten Umsätzen für den Fünfjahres-Zeitraum könnte mehr als 6 Mrd. Dollar betragen, schrieb die Zeitung.

Xerox-Sprecherin Christa Carone wollte nicht zu der Sechs-Milliarden-Dollar-Ziffer Stellung nehmen. Es würde eine Umsatzreduzierung "von weniger als zwei Milliarden Dollar" für den Zeitraum 1997 bis 2001 geben, bei einem Gesamtumsatz von 92,5 Mrd. Dollar, den die Gesellschaft zuvor für diesen Zeitraum angegeben hatte.
Xerox sei ein weiterer Fall, in dem eine große US-Gesellschaft ihre Ergebnisse durch falsche Buchführung aufgebessert habe, schrieb die Zeitung.

Die SEC hatte sich mit Xerox im April verglichen. Xerox zahlte 10 Mill. Dollar, ohne Schuld einzugestehen. Es war die höchste Zivilstrafe für Finanzberichterstattungs-Verstöße, die es bisher gegeben hatte. Die SEC hatte dem Unternehmen vorgeworfen, die Investoren in die Irre geführt und hintergangen zu haben.

Gewinne aufgebläht
Die Vorwürfe bezogen sich größtenteils auf eine unzulässige Beschleunigung von Umsatzbuchungen aus Langzeit-Leasingvereinbarungen für Kopierer und andere Bürogeräte. Außerdem hatte die SEC Xerox vorgeworfen, die Gewinne aufgebläht zu haben. Es seien bestimmte Reserven eingerichtet worden, die dann graduell den Gewinnen zugeführt wurden, um Gewinnrückschläge auszugleichen.
Die neuen Probleme wurden nach Darstellung der Zeitung durch eine neue Buchprüfung von PriceWaterhouse entdeckt und konzentrierten sich auf weitere Leasing-Buchführungsprobleme sowie zusätzliche Buchführungsprobleme bei der Xerox Brazil.

29.6.2002 12:12