Freitag, 28. Juni 2002

Wifo und IHS sind vorsichtig optimistisch

  • Wirtschaftswachstum zwischen 1,2 und 1,5 Prozent

Verhaltener Optimismus bei den beiden österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituten Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) und IHS (Institut für Höhere Studien): Sie präsentierten heute ihre Konjunkturprognose für 2002 und 2003.

Das Wifo hat seine Prognose bereits seit Dezember 2001 nicht revidiert und geht wieder von einem realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent für 2002 und 2,8 Prozent für 2003 aus. Das IHS, das für heuer optimistischer war, revidierte für 2002 von 1,7 auf 1,5 Prozent und blieb für 2003 mit 2,5 Prozent unverändert zur vorangegangenen Prognose vom April 2002.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hatte eine Steuerentlastung im kommenden Jahr von der Juni-Prognose abhängig gemacht. Für eine Entlastung notwendig seien 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum, die nach diesen Prognosen erreicht wären.

Wirtschaftswachstum in EU zögerlich
Das Tempo des Aufschwungs hänge in erster Linie von der internationalen Konjunktur ab, heißt es seitens der Institute. Diese sei weiterhin deutlich aufwärts gerichtet, das Risiko einer Verzögerung der Erholung habe sich aber erhöht. In der EU, vor allem bei Österreichs wichtigstem Wirtschaftspartner Deutschland, komme der Aufschwung nur zögernd voran. Er erhalte seine Impulse ausschließlich aus den USA und sei bisher nicht selbsttragend. Das IHS verweist auf Frühindikatoren, die darauf hindeuten, dass sich das Expansionstempo in Europa im zweiten Quartal beschleunigt habe. Diese positive Tendenz sollte sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen.

Im ersten Quartal 2002 blieb die heimische Konjunktur mit einem realen Zuwachs um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und im Jahresabstand knapp über der Stagnationslinie. Im zweiten Quartal erwartet das Wifo eine verhaltene Belebung auf eine BIP-Wachstumsrate von weniger als 1 Prozent. Erst im zweiten Halbjahr soll die Belebung wieder an Schwung gewinnen.

Hohe Steuerausfälle 2002
Der Konjunktureinbruch hat 2002 hohe Steuerausfälle zur Folge, sodass der (2001 erstmals ausgeglichene) Staatshaushalt ein Defizit von knapp 0,5 Prozent des BIP aufweisen wird, prognostiziert das Wifo. Dabei wird unterstellt, dass die Länder den geplanten Überschuss erreichen und dieser auch von Eurostat anerkannt wird.

2003 sollte der Staatshaushalt bei guter Konjunktur und ohne Senkung von Steuern und Lohnnebenkosten ausgeglichen sein. Einnahmenausfälle durch eine Steuersenkung müssten also durch Ausgabenkürzungen wettgemacht werden, wenn der Pfad des "Nulldefizits" eingehalten werden soll, darauf verweisen beide Institute unisono. Das IHS geht für heuer von einer Defizitquote von 0,3 Prozent aus und erwartet für 2003 ebenfalls ein Nulldefizit. Dieser Prognose sei eine Abgabensenkung von 600 Mill. Euro (Lohnnebenkostensenkung) zugrunde gelegt.

28.6.2002 12:53