Freitag, 28. Juni 2002

Telekom Austria: Eine Nation diskutiert über ein Logo

  • Seit Wochen kritische Kommentare und Persiflagen im Internet
  • TA überrascht über negatives Echo, aber froh über Beachtung

Mitte Juni hat die Telekom Austria ihre neue Werbelinie präsentiert und sich endgültig von der ungeliebten Dachmarke Jet2Web verabschiedet. Doch das neue Logo - der Schriftzug "Telekom Austria" auf rot-weiß-rotem Hintergrund - erregt die Gemüter der österreichischen Konsumenten nachhaltig.

Vor allem im Internet häufen sich hitzige Diskussionen mit zumeist ablehnenden Kommentaren. Zugleich sprießen die Parodien. Die Telekom Austria beobachtet die Entwicklung gelassen: "Wir sind schon überrascht über die negativen Reaktionen, andererseits freuen wir uns, wenn über das Logo diskutiert wird", sagt TA-Sprecher Martin Bredl.

"Langweilig", "mies"
Von "langweilig" über "Anti-Werbung" bis hin zu "mies" lauten die zumeist vernichtenden Kommentare, die auch über zwei Wochen nach der Einführung des Logos nicht weniger werden. Die einen fühlen sich an die peruanische Nationalflagge erinnert, andere wollen "aufgedeckt" haben, dass das Logo mit Hilfe des Tabellenprogramms Excel entworfen wurde.

Das kontroversielle Logo entfacht zugleich ungeahnte Kreativität bei den Kritikern: Sie schaffen Anagramme ("Eure Oma ist kalt"), neue Botschaften ("Ich komm aus Tirol") oder kreieren gleich neue Sujets - etwa in Anlehnung an die Einkaufssackerln des Lebensmittel-Diskonters Hofer.

Polarisierung
"Wir haben sicher ein Logo ausgewählt, das polarisiert", kommentiert Bredl die kritischen Stimmen und den Schaffensdrang der User. Über die hohe Aufmerksamkeit ist er dennoch froh: "Es gibt nichts Schlechteres, als wenn ein Logo eingeführt wird und niemand nimmt es wahr." Bei der Telekom Austria ist man sicher, mit der neuen Marke punkten zu können. Es sei wichtig, sich von den internationalen Marken abzuheben, und das neue Logo wolle eben Begriffe wie Österreich, Stabilität oder Kontinuität signalisieren.

Achim Wirtz, Geschäftsführer der Agentur Wirz Identity Berlin, die für das Konzept verantwortlich zeichnet, sieht die Aufregung um sein Werk ebenfalls gelassen. Es gehe um Aufmerksamkeit, und die habe man erzielt, meinte er in der Branchenzeitung "Horizont". "Wir haben bewusst nach etwas gesucht, das Irritation hervorruft", so Wirtz.

"Jeder Buchstabe in tagelanger Arbeit gebaut"
Bredl ist jedenfalls überzeugt, dass sich Österreich an "TELE-KOM-AUS-TRIA" gewöhnen wird. Es gebe auch positive Kommentare. "Die Leute beginnen es zu lieben", ist er überzeugt. Außerdem sei es für viele Anwendungen geeignet und "funktioniere" in Print-Anzeigen genauso wie für Gebäudebeschriftungen und Shop-Ausstattungen. Und schließlich müssten sich die Konsumenten eben daran gewöhnen, dass das Logo "nicht als Wortmarke gedacht ist, sondern als Bild": Der Text selbst stehe eigentlich gar nicht zur Debatte, "auch wenn 'AUS' und 'TRIA' kritisiert werden". Die Typografie sei dennoch wohl überlegt: "Jeder Buchstabe da drin wurde in tagelanger Arbeit gebaut. Das ist also ganz sicher kein Excel-File."

28.6.2002 10:23