Welt-Börsen beruhigten sich nach WorldCom-Skandal
- US-Börsenaufsicht klagt jetzt US-Telefongesellschaft (Kasten)

·Börsenaufsicht
Betrugsklage gegen WorldCom
Die internationalen Finanzmärkte haben sich am Donnerstag von dem Schock der falschen Bilanzierung des US-Telekomkonzerns WorldCom erholt und einen Teil der Kurseinbußen wieder wettgemacht. An den europäischen Börsen legten die Kurse zu. Der Dollar gewann unter anderem gestützt durch ein Bekenntnis der US-Regierung zur Politik des starken Dollar ebenfalls an Wert.
Finanzexperten verwiesen allerdings darauf, dass die Unsicherheit an den Märkten angesichts des WorldCom-Debakels groß bleibe. "Das Vertrauen in die Aktien ist nachhaltig geschädigt", sagte ein Händler.
Die Erholung bei den Aktien sei zunächst schlicht eine technische Reaktion, hieß es. Außerdem helfe die relativ verhaltene Reaktion der US-Aktienmärkte auf den Bilanzskandal den europäischen Aktien. Die Entscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen unverändert zu lassen, beeinflusste die Märkte dagegen kaum.
Angeführt wurden die Index-Gewinne in Europa von Technologiewerten, deren Branchenindex im EuroStoxx50 stärker als die übrigen Sektoren hinzugewann. Der Deutsche Aktienindex (DAX) legte um gut 2 Prozent auf 4.184 Punkte zu. Am Tokioter Aktienmarkt hatte der Nikkei-225-Index um 2,11 Prozent höher geschlossen. Am Mittwoch waren die Kurse an einigen europäischen Börsen zeitweise um mehr als 6 Prozent eingebrochen.
Die US-Aktienmärkte waren am Vortag trotz der Negativschlagzeilen, die den Bilanzskandal um den US-Energiehändler Enron wieder ins Bewusstsein der Anleger rückten, nach einem volatilen Handel fast unverändert aus der Sitzung gegangen. "Das war wohl nur eine hektische Überreaktion bei uns", sagte ein Frankfurter Händler zu den zeitweilig massiven Kursverlusten in Europa.
Auch an den Devisenmärkten kehrte sich die Entwicklung des Vortages um. Der Dollar gewann im Vergleich zum Tageshoch vom Mittwoch rund einen Cent gegen den Euro zu. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde für Kurse um 0,9837 Dollar gehandelt, nachdem sie am Vortag erstmals seit Februar 2000 die Marke von 99 US-Cents überwunden hatte.
Unterstützung bekam die US-Währung auch durch die Bekräftigung der US-Regierung, an ihrer Politik des starken Dollar festzuhalten. Zuvor hatte Präsident George W. Bush gesagt, der Dollar werde seinen Wert auf Basis der Marktkräfte suchen. An den Märkten waren diese Aussagen Bushs als weiteres Indiz für eine allmähliche Abkehr von der Politik des starken Dollar gewertet worden, was die US-Währung belastet hatte.
Auch der Abfluss von Geld in als sicher geltende Anlagen wie Renten oder Gold ebbte am Donnerstag wieder etwas ab. Der richtungweisende Bund-Future verlor bis Mittag 32 Ticks auf 107,58 Punkte. Der Goldpreis wurde am Morgen in London mit 319,45 Dollar je Unze gefixt nach zuvor 312,44 Dollar. Der Goldpreis hatte zuletzt wegen der Aktienmarktschwäche und der Unruhen im Nahen Osten als "sicherer Hafen" eine Renaissance erlebt.

