Zahl der Pleiten nahm im Halbjahr um fast 5% zu
- Passive schrumpften um ein gutes Fünftel

Die Zahl der Unternehmenspleiten wird heuer zwar auf einem hohen Niveau bleiben, einen drastischen Anstieg werde es heuer trotz der jüngsten Libro-Pleite nicht geben, betonte der Leiter der Insolvenzabteilung im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, bei der Präsentation der Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2002.
Bis Juni nahm die Zahl der Insolvenzen um 4,5 Prozent auf 2.762 Fälle zu, die geschätzten Verbindlichkeiten gingen im Jahresvergleich hingegen um 22,5 Prozent 1,6 Mrd. Euro zurück.
Als besonders erfreulich wertete Kantner den Rückgang bei den eröffneten Verfahren um 1,2 Prozent auf 1.441 Verfahren. Es sei Optimismus angebracht, nicht jedoch Euphorie, so der KSV-Experte. Die Zahl der gerichtlichen Ausgleiche schrumpfte im Vorjahresvergleich um 46,3 Prozent auf 29 Fälle, bei den Konkursen gab es einen leichten Anstieg um 0,6 Prozent auf 1.412 Verfahren.
Deutlich angestiegen sind jedoch wieder die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge und zwar um 12 Prozent. Die Zahl der von Insolvenz betroffenen Dienstnehmer ging per Ende Juni um 22,2% zurück.
Größte Pleite im Halbjahr und gleichzeitig das drittgrößte Insolvenzverfahren der zweiten Republik ist der Konkurs der Buch- und Medienhandelskette Libro mit Verbindlichkeiten von geschätzten 430 Mio. Euro, gefolgt von dem Wiener Liegenschaftsverwerter Dipl.Ing.Dr. Alaa Abouelenin mit 55,7 Mio. Euro. Platz drei hält der Konkurs der KPNQwest Austria GmbH mit 36 Mio. Euro.
Im Bereich New Economy habe es heuer bereits drei Pleiten (KPNQwest, Datacontact, ISION) gegeben, so Kantner. Auch beim alternativen Telekombetreiber Cybertron droht die Insolvenz. Die "Tod.com"-Welle sei seit dem Jahr 2000 aus Amerika auch auf Österreich zugerollt. Ursachen seien Überkapazitäten in dieser Branche. Mit weiteren Marktbereinigungen sei zu rechnen, so Kantner.
Rein statistisch gab es im Halbjahr die meisten Pleiten in der Bauwirtschaft mit 496 Verfahren und 269 Mio. Passiva, gefolgt vom Gastgewerbe mit 383 Verfahren und 50 Mio. Euro Passiva.
Bei den Privatkonkursen wurden 1.576 Verfahren eröffnet; das waren um 5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge ging um 6,8 Prozent auf 300 Fälle zurück. Bei den Gesamtinsolvenzen gab es einen Zuwachs um 3,5 Prozent auf 1.876 Privatkonurse.
Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten gingen um 12,1 Prozent auf 185,7 Mill. Euro zurück. Vor einer weiteren Erleichterung beim Privatkonkurs warnt Kantner, da sich dies negativ auf die Zahlungsmoral auswirken könnte. Derzeit muss ein Privater bei einem Abschöpfungsverfahren 10 Prozent seiner Schulden tilgen. Zur Zeit betragen die von den österreichischen Kreditinstituten an private Haushalte ausgegebenen Kredite rund 62 Mrd. Euro. Eine geringfügige Verschlechterung der Zahlungsmoral könnte bereits gravierende Auswirkungen haben, so Kantner.

