Dienstag, 25. Juni 2002

60 Mio. € Schulden! CyberTron beantragt Ausgleich

  • 107 Leute vor Entlassung: Zweigrößte Pleite heuer
  • Der Titel hat seit 1999 gut 97% seines Wertes verloren

Der Wiener Telekombetreiber CyberTron hat am Donnerstag Nachmittag beim Handelsgericht Wien Ausgleich beantragt. Das börsenotierte Unternehmen ist nach bisherigen Angaben des Vorstands mit rund 60 Mio. Euro verschuldet. Die Aktie wurde am Donnerstag erneut vom Handel an der Wiener Börse ausgesetzt. Die für den 4. Juli 2002 angesetzte Hauptversammlung soll wie geplant durchgeführt werden. Insgesamt sollen 107 Leute vor der Entlassung stehen. Damit ist dies die zweitgrößte Pleite 2002.

Wie berichtet war es wegen der geplatzten Verhandlungen über einen Zahlungsplan für offene Rechnungen von angeblich gut 7 Mio. Euro gegenüber der Telekom Austria (TA) am Mittwoch, um 0.00 Uhr, zur Abschaltung der Verbindungsleitungen zwischen dem Telekom-Netz der CyberTron und dem TA-Netz gekommen.

Frühwarnsystem aktiviert: 107 Mitarbeiter gefährdet
Der Ausgleich des Telekomanbieters CyberTron ist nach Aussagen des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) heuer nach Libro die bisher zweitgrößte Firmeninsolvenz. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 107 Mitarbeiter. Das Frühwarnsystem (vorsorgliche Kündigungsanmeldungen beim AMS) wurde nach Mitteilung des KSV bereits aktiviert.

CyberTron gibt laut KSV einen Schuldenstand von 60,8 Mill. Euro an, die Aktiva werden mit 35,7 Mill. Euro beziffert. Rein rechnerisch beträgt die Überschuldung daher 25,1 Mill. Euro. Beim KSV spricht man von insgesamt 460 Gläubigern.

Damit, so CyberTron, sei dem Unternehmen die Geschäftsgrundlage - der Betrieb eines österreichweiten, selbst betriebenen Telekomnetzes sowie die Erbringung von Sprach- und Datendiensten - entzogen worden. Durch die in den vergangenen Tagen mit der UTA Telekom AG verhandelte Vereinbarung sei es möglich geworden, die Versorgung der rund 70.000 CyberTron-Kunden mit Sprachdiensten über das Netz der UTA großteils sicherzustellen.

CyberTron bietet seit 1996 österreichweit Datendienste und seit Mai 1998 Sprachdienste über ein Netz von Glasfaser- und Kupferleitungen sowie Richtfunkstrecken an. Mit 66,7 Mill. Euro Umsatz (2001) ist CyberTron nach eigenen Angaben der zweitgrößte alternative Telekombetreiber Österreichs nach UTA.

Der Telekombetreiber ist seit 1. Dezember 1999 an der Wiener Börse gelistet. Anleger, die ihr Geld in die zu 11 Euro emittierte Telekomaktie investierten, haben seit dem Börsengang im Dezember 1999 mehr als 97 Prozent und damit nahezu alles verloren.

25.6.2002 09:32