Deutschland nach 0:2 betrübt - Gewalt in Leipzig
- Während Finale kam das öffentliche Leben zum Stillstand
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Brasilien verdient Weltmeister 2002?
Gezittert, gebangt, gelitten: Millionen Menschen fieberten am Sonntag überall in Deutschland vor Großbildleinwänden, in Cafés und Kneipen mit der Mannschaft von Teamchef Rudi Völler beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft mit. Es half nichts. Nach dem 0:2 gegen Brasilien schwankte die Stimmung unter den Fans zwischen Enttäuschung und Anerkennung für die DFB-Auswahl. Doch auch der neue Weltmeister wurde gewürdigt. Nur in Leipzig kam es vorerst zu unschönen Szenen.
Trotz der Niederlage bildeten sich in einigen Orten Autokorsos, fanden Hupkonzerte statt und wurden schwarz-rot-goldene Flaggen geschwenkt. Gefeierte Männer waren Rudi Völler und Torwart Oliver Kahn, obwohl sein Fehler zum 0:1 durch Ronaldo geführt hatte. In Leipzig gab es dagegen schwere Ausschreitungen: Gewaltäter hatten dort dem zunächst friedlichen Fußballfest auf dem Burgplatz am Rathaus ein jähes Ende bereitet. Kurz nach dem zweiten Tor der Brasilianer bewarfen die Randalierer Polizisten mit Flaschen, Knallkörpern, Tischen und Stühlen. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt, die noch auf der Straße behandelt werden mussten, zudem wurden Autos beschädigt, meldete der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR).
Den maskierten Randalierern hatten sich auch einige betrunkene Fußballfans angeschlossen. Die Polizei ging gegen die Krawallmacher vor und nahm eine zunächst nicht bekannte Zahl von ihnen in vorläufigen Gewahrsam. Insgesamt hatten sich nach Polizeiangaben rund 2.000 Menschen vor einer Großbildleinwand versammelt. Bei strahlendem Sonnenschein mussten einige von ihnen wegen Kreislaufproblemen behandelt werden.
Daneben meldeten die deutschen Behörden zunächst noch in anderen Städten vereinzelte Zwischenfälle mit frustrierten Fans. In München, wo sich in der Leopoldstraße rund 40.000 Menschen das Spiel angesehen hatten, warfen einige Unruhestifter Flaschen auf die Straße und zündeten Rauchbomben. In Karlsruhe kam es vereinzelt zu Schlägereien. Fünf Personen wurden nach Angaben der Polizei in Gewahrsam genommen. In Hamburg wurden einige Betrunkene und Verletzte in Krankenhäuser gebracht.
Während der Endspiel-Übertragung aus Yokohama kam das öffentliche Leben in Deutschland beinahe zum Erliegen. In den Innenstädten fuhren nur noch wenige Autos; Straßenbahnen, U-Bahnen und Busse waren zumeist leer. Zahlreiche Sport-Veranstaltungen richteten ihren Zeitplan nach dem Finale aus. Der größte Menschenauflauf war wie bei den deutschen WM-Spielen zuvor in Hamburg. 50.000 Fußball Interessierte hatten sich auf der Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli versammelt. Zudem standen 15.000 Anhänger vor einer Videoleinwand in der Hafencity. Viele nutzten die deutschen Flaggen, um sich vor dem Dauerregen zu schützen. Passend zum Spiel verlief den Fans die Schminke im Gesicht.
Insgesamt 849 Festnahmen
Bei weitgehend friedlichen Feiern von hunderttausenden Fußballfans in ganz Deutschland ist es nach dem mit 0:2 gegen Brasilien verlorenen WM-Finale in manchen Städten zu Schlägereien oder Randale gekommen. Insgesamt seien die Feiern "recht friedlich" verlaufen, so die übereinstimmende Einschätzung der Polizeistationen. Die Polizei nahm allerdings insgesamt 849 in ganz Deutschland fest oder in Gewahrsam.
