WM-Fazit: Sieg für Veranstalter, Niederlage für Fußball
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Die Fußball-WM
in Zahlen
Die 17. Fußball-Weltmeisterschaft bot aus sportlicher Sicht nichts für Feinschmecker, organisatorisch aber war sie beinahe perfekt. Entgegen allen Befürchtungen im Vorfeld haben die vom Weltverband FIFA zur gemeinsamen Ausrichtung genötigten Südkoreaner und Japaner einen würdigen Rahmen für die ersten Titelkämpfe in Asien und in zwei verschiedenen Ländern geschaffen.
"Es waren herrliche Stadien, eine tolle Logistik und ein wundervolles Publikum, das eine beeindruckende Atmosphäre des Fair Play kreiert hat", zog FIFA-Präsident Joseph Blatter schon vor dem finalen Höhepunkt zwischen Deutschland und Brasilien ein überaus positives Fazit: "Vielleicht war es fußballerisch nicht die beste, aber dafür eine der interessantesten Weltmeisterschaften. Sie war überraschend, attraktiv und unterhaltsam."
Nur guter Fußball war selten dabei. Die von Blatter gepriesenen Favoritenstürze waren nicht in erster Linie eine plötzliche Stärke der vermeintlichen Schwachen, sondern die Schwäche der vermeintlich Starken. Die Stars konnten nicht mehr ihre Klasse zeigen, weil sie nach einer Mammutsaison praktisch ohne Vorbereitung, mit leerem Akku und oft angeschlagen zur Saisonverlängerung nach Asien geschickt wurden. "Man kommt zur WM und hat nur müde Spieler um sich", klagte Englands Trainer Sven-Göran Eriksson. Und auch Franz Beckenbauer urteilte besorgt: "Die besten Spieler sind zu der WM in einem unannehmbaren Zustand angereist. Das drückt nicht nur das Niveau der WM, sondern auch das Gesamtniveau."
Raubbau an den Spielern und am Fußball
Weltverband und Europäische Fußball-Union (UEFA) haben mittlerweile zwar erkannt, dass unter dem Raubbau an den Spielern die Ware Fußball leidet. Doch keiner will Abstriche an seinen Wettbewerben machen. Blatter forderte die Kontinentalverbände zu einer Regelung auf. Doch UEFA-Chef Lennart Johansson, dessen aufgeblähte Champions League den Terminstress erst forciert hatte, sieht den Schwarzen Peter bei den Nationalverbänden und fordert eine Verkleinerung der nationalen Ligen auf 16 Teams.
Die Leidtragenden der Ränkespiele sind die Athleten und die Fans. Profitiert haben hingegen diejenigen, die sich - wie es sich gehört - intensiv vorbereitet haben und in Bestform angetreten sind: Monatelang präparierten sich die Südkoreaner und Japaner mit dem Resultat, dass Asien erstmals zwei Achtelfinalisten stellte und erstmals sogar einen Vertreter im Halbfinale hatte.
Nachhaltiger Fußball-Schub in Japan & Südkorea?
Ob der entfachte Fußball-Boom in beiden Ländern von nachhaltiger Wirkung ist, bleibt abzuwarten. Vor allem in Südkorea ist die Sorge groß, dass die brandneuen Stadien schnell zu ungenutzten Ruinen verfallen könnten. Und auch die Japaner befürchten, dass der dringend benötigte Schub für die kriselnde J-League ausbleibt.
Dessen ungeachtet feierten Südkoreas Verbandspräsident Chung Mong- Joon und sein japanischer Kollege Shunichiro Okano die gemeinsame Ausrichtung als großen Erfolg. Zu Recht. Mit ihrer Gastfreundschaft sorgten die Gastgeber für ein angenehmes Ambiente und erwarben sich von Blatter den Titel "Weltmeisterschaft des Lächelns". Nicht zuletzt dank der massiven Sicherheitsvorkehrungen war die Hooligan-freie WM auch eine wohltuend friedliche Veranstaltung.
Japan und Südkorea rückten näher zusammen
Und sie brachte nicht zuletzt auch die beiden Gastgeber-Länder, die historisch bedingt ein sehr gespanntes Verhältnis haben, ein großes Stück näher. In einer gemeinsamen Stellungnahme dokumentierten am Samstag die beiden Fußball-Verbände und die Organisations-Komitees beider Länder ihre Annäherung: "Das Co-Hosting hat eine völlig neue Dimension in den bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern eröffnet."
