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Südkoreas Staatspräsident Kim Dae Jung verbarg seine Enttäuschung hinter einem diplomatischen Lächeln, viele seiner Landsleute weinten und seine Nationalspieler gingen fast alle nach dem Schlusspfiff in die Knie. Michael Ballacks Siegtor im Halbfinale zwischen Deutschland und dem Gastgeber holte ein ganzes Volk am Dienstag nach Wochen des beinahe außerirdischen Glücks auf den Boden zurück.
"Nonstop Action! Beat Germany", hatten die Fans im World Cup Stadium von Seoul vor dem Anpfiff noch gefordert und ihre "Reds" mit "Tae-han-min-guk"-("Republik Korea")-Rufen, Trommeln und Geschrei nach vorne getrieben. Als Ballack den Ball in der 75. Minute in die Maschen jagte, herrschte auf einen Schlag atemlose Stille. "Respekt vor diesem Land, Respekt vor diesem Gegner", meinte Christoph Metzelder beeindruckt von der Atmosphäre.
In der Hauptstadt Seoul drehte sich seit den Nachmittagsstunden alles nur noch um Fußball, der in Südkorea seit dem ersten Sieg gegen Polen (2:0) immer mehr zur schönsten Hauptsache geworden ist. Bank-Angestellte und Geschäftsleute mit roten T-Shirts unter dem Sakko eilten zur TV-Übertragung nach Hause oder mischten sich unter die rund drei Millionen Fans, die sich auf vielen Plätzen versammelt hatten.
Darunter die "Rote Armee", die einzigartige Fußball-Fangemeinde Südkoreas, die friedlicher Fanatismus und Fantasie auszeichnet: Auf den Kopf gesteckte Teufelshörner, Korea-Tattoos auf den Wangen und als Tiger geschminkte Gesichter machten das Kicker-Festival zu einem bunten Maskenball - und sich selbst zu "Fan-Weltmeistern".
Allein in der Innenstadt um die City Hall, das Kwanghwa-mun-Areal und den Yoida Park hatten 500.000 Menschen vor Großleinwänden gefeiert und gelitten. Ein Rekordaufgebot von 3.177 Feuerwehrleuten und Sanitätern mit 180 Einsatz- und Krankenwagen stand für den Ernstfall bereit, weitere 1.781 hatten Bereitschaft. Im ganzen Land versammelten sich nach Polizei-Angaben mehr als sieben Millionen der 48 Mio. Einwohner auf etwa 400 öffentlichen Plätzen. Zur Vorbeugung waren rund 40.000 Polizisten in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.
