Mittwoch, 26. Juni 2002

1 Mio. Dollar Strafe wegen Pokal-Tausch am Podium

  • FIA bestätigte Schumacher-Sieg beim Österreich-GP
  • PLUS: Die Bilder vom Skandal-Rennen am A1-Ring

Michael Schumacher bleibt der Sieger beim Formel 1-GP von Österreich. Der internationale Automobil-Weltverband FIA hat Weltmeister Schumacher und dessen Rennstall Ferrari in der Stallorder-Affäre frei gesprochen. Das World Motorsport Council des FIA sah keine rechtliche Grundlage zur Bestrafung. Rubens Barichello hatte beim Rennen am 12. Mai in Spielberg nach Anordnung von Ferrari seinen Teamkollegen Schumacher in der letzten Runde passieren lassen und ihm somit den Sieg geschenkt.

Der Weltverband sprach aber wegen der Vorfälle bei der Siegerehrung eine Geldstrafe von 1 Mio. Dollar (1,022 Mill. Euro) gegen Ferrari und die zwei Fahrer aus. Schumacher hatte auf dem Podium seinen Platz für den zweitplatzierten Barichello frei gemacht und auch den Siegerpokal aus den Händen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an den Brasilianer übergeben. 500.000 Dollar sind unbedingt zu bezahlten, die zweite Hälfte wurde bedingt auf ein Jahr verhängt.

Anweisungen des Teams sind zu befolgen
"Das World Motorsport Council bedauert die Art, wie das Team die Order gegeben hat und wie sie ausgeführt worden ist. Dennoch sieht das Council keinen Grund, die beiden Fahrer zu sanktionieren, weil beide vertraglich daran gebunden sind, die Anweisungen des Teams zu befolgen. Das Council anerkennt ebenso das traditionelle Recht eines Teams, den Zieleinlauf ihrer Fahrer zu entscheiden, wenn es glaubt, damit beide Weltmeisterschaften (Anm.: Fahrer und Konstrukteure) zu gewinnen. Das Council hat daher - mit einigem Widerwillen - entschieden, dass es keine Maßnahmen wegen der Stallorder ergreifen kann", hieß es in der Begründung.

Team und Piloten verurteilt
Die Vorgänge bei der Siegerehrung verstoßen allerdings gegen Artikel 170 des Formel 1-Reglements, weshalb Team und Piloten zu der gemeinsamen Strafe verurteilt wurden. "Es ist die Pflicht von jedem Team sicherzustellen, dass die Fahrer die Podiums-Prozedur befolgen und in keiner Weise die Autoritäten des Gastgeber-Landes in Verlegenheit bringen", so die Begründung des Council.

Ferrari respektiert Entscheidung
Mit dem Urteil Dollars statt Punkte sind Schumacher und das Ferrari-Team mit einem "blauen Auge" davongekommen und werden sich dem Urteilsspruch mit der höchsten Geldstrafe der Formel 1-Geschichte auch beugen. "Wir respektieren wie immer die Entscheidung der FIA", teilte Ferrari offiziell mit.

Ab durch den Hinterausgang
Nur das Team äußerte sich zum Ergebnis der mit Spannung erwarteten Anhörung. Schumacher und Barrichello gaben keine Stellungnahme ab. Die Fahrer und Teamchef Jean Todt wurden vor dem Gremium angehört. Nach etwa zwei Stunden verließen die beiden Piloten das Gebäude an der Place de la Concorde durch den Hinterausgang.

In Magny Cours schon Weltmeister?
In der WM-Wertung führt der vierfache Champion Schumacher damit weiter mit insgesamt 76 Punkten und 46 Zählern Vorsprung auf seinem Bruder Ralf (30) sowie Juan Pablo Montoya (27). Damit kann Michael Schumacher seinen Vorsprung bereits in den nächsten beiden Rennen so weit ausbauen, dass er schon beim Grand Prix in Magny Cours am 21. Juli vorzeitig als Weltmeister feststehen könnte.

Stallorder nicht verboten
Die umstrittene Stallorder-Aktion bleibt unbestraft, weil es keine ausreichende rechtliche Grundlage für Sanktionen gibt, bestätigte der Weltrat. Zwar hatten sich die Fans beim Rennen und auch weltweit noch wochenlang empört - verboten ist Stallorder nicht. Es gibt nur sehr allgemein gehaltene, im Artikel 151 c formulierte Richtlinien.

Präzedenzfall
Für Verstöße gegen das Podiums-Protokoll gibt es einen Präzedenzfall: So war dem spanischen Jerez vor Jahren der Grand Prix entzogen worden, weil sich der Bürgermeister der Stadt beim WM-Finale 1997 regelwidrig auf das Podest gedrängt hatte.

Sechste Entscheidung am "Grünen Tisch"
Für Schumacher war das Urteil von Paris bereits die sechste relevante Entscheidung am "Grünen Tisch" in seiner Formel-1-Karriere. 1994 war er wegen des Ignorierens der Schwarzen Flagge in Silverstone für zwei Rennen gesperrt worden, in Spa nachträglich disqualifiziert. 1995 schritten die Behörden wegen nicht regelkonformer Benzinproben ein, 1997 wurden Schumacher sämtliche Punkte wegen der Rammstoß-Aktion gegen Jacques Villeneuve beim WM-Finale gestrichen. 1999 wurden Schumacher und Eddie Irvine zunächst wegen der "Windabweiser-Affäre" disqualifiziert, später machte die FIA diese Entscheidung wieder rückgängig.

FIA will nun Fans um Rat fragen
Nicht nur das relativ milde Urteil der FIA gegen Ferrari in der "Causa Spielberg" hat aufgezeigt, dass der internationale Automobil-Verband dem Problem Stallorder hilflos gegenübersteht. Obwohl die FIA nun in Paris die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema beschlossen hat, will sie auch die Fans um Rat fragen.

"Niemand von uns will die Stallorder unter bestimmten Voraussetzungen, aber wie können wir sie stoppen? Vielleicht kann uns die Öffentlichkeit weiterhelfen. Im Moment haben wir keine Lösung für das Problem", forderte FIA-Präsident Max Mosley alle Formel-1-Begeisterte auf der offiziellen Homepage http://www.fia.com zum Gedankenaustausch auf.

26.6.2002 09:44
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts