Samstag, 29. Juni 2002

Südkoreanische Armee in höchster Alarmbereitschaft

  • Gefechte zw. Süd- & nordkoreanischen Kriegsschiffen
  • 30 nordkoreanische und 4 südkoreanische Soldaten getötet

Am Samstag kam es zwischen Nord- und Südkorea zu einem heftigen Seegefecht mit mindestens vier Toten auf südkoreanischer Seite und 30 nordkoreanischen Opfern. Die Armee Südkoreas ist nun in höchster Alarmbereitschaft. Auch Nordkorea habe seine Soldaten offenbar alarmiert, aber die Kriegsschiffe des Nachbarlandes hätten bisher die eigenen Gewässer nicht verlassen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul der Nachrichtenagentur AFP. Jenseits der Grenze habe es keine auffälligen Truppenbewegungen gegeben.

Bei dem Seegefecht im Gelben Meer am Samstag sind mindestens 30 Nordkoreaner "getötet oder verletzt" worden. Das teilte das südkoreanische Militär am Sonntag nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP mit.

Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung hatte vor seiner Abreise zum WM-Finale am Sonntag in Japan besondere Wachsamkeit angeordnet. Während seiner dreitägigen Abwesenheit steht Kim in ständigem Kontakt mit Verteidigungsminister Kim Dong-Shin.

Der Schusswechsel im Gelben Meer Samstag früh hatte international große Beunruhigung hervorgerufen. Mindestens vier südkoreanische Soldaten waren getötet worden. Ein Soldat wurde vermisst, 22 weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Die Regierungen in Seoul und Pjöngjang schoben sich für den Zwischenfall vor der Insel Yeonpyeong gegenseitig die Verantwortung zu.

Das US-Außenministerium nannte das nordkoreanische Vorgehen eine bewaffnete Provokation. Die USA unterstützten die Haltung ihres südkoreanischen Verbündeten. Die EU und Russland appellierten an beide Seiten, die zuletzt eingeleitete Politik der Aussöhnung nicht zu gefährden.

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau beendete am Sonntag seinen viertägigen Staatsbesuch in Südkorea und reiste ebenfalls nach Japan weiter. Am Abend wollte auch er sich das Endspiel der Fußball-WM zwischen Brasilien und Deutschland in Yokohama ansehen.

29.6.2002 07:47