Oberster stellt 150 Todesurteile in Frage
- Geschworene müssen über Strafe entscheiden

Eine überraschende Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichts hat mehr als 150 Todesurteile in Frage gestellt. Die Obersten Richter entschieden am Montag in Washington, dass nur Geschworene, nicht Richter über Leben und Tod von Angeklagten entscheiden können. Nach Angaben von Todesstrafengegnern werden damit mehr als 150 Todesurteile hinfällig. Die Verurteilten könnten neue Prozesse beantragen.
Das Gericht äußerte sich dem Fall von Timothy Ring, der 1994 in Arizona zum Tode verurteilt worden war. Er hatte den Fahrer eines gepanzerten Wagens ermordet. Nach dem Schuldspruch durch die Geschworenen beschloss der Richter die Todesstrafe, weil seiner Ansicht nach bei dem Mord besonders brutale Umstände vorlagen. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs müssen aber Geschworene darüber entscheiden, ob die Todesstrafe wegen besonderer Umstände gerechtfertigt ist.
Nach Angaben des Informationszentrums zur Todesstrafe sitzen allein in Arizona 129 Menschen in den Todestrakten der Gefängnisse. In vier anderen US-Staaten, die wie Arizona verfahren, sind es 39 weitere. Zahlreiche dieser Todeskandidaten könnten neue Prozesse fordern, teilte das Zentrum mit. In vier weiteren Staaten mit zusammen 383 zum Tode Verurteilten können die Geschworenen dem Richter nur Empfehlungen zur Todesstrafe vorlegen. Auch diese Urteile könnten jetzt angefochten werden. Das Urteil betrifft die US-Staaten Arizona, Idaho, Montana, Colorado und Nebraska.
In den 38 US-Staaten, in denen Hinrichtungen erlaubt sind, sitzen derzeit etwa 3.700 verurteilte Mörder im Todestrakt.
Erst vergangene Woche hatte das Gericht mit einer Entscheidung zum Todesurteil Aufsehen erregt. Die Richter verboten die Hinrichtung geistig Behinderter. Die Praxis sei grausam und verfassungswidrig, befanden sie.
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